Zwischen Kunstrasen und Sperrmüll

WAZ, Hattingen
15. März 2014, Ulrich Laibacher

Wolfgang Zimmermann im Garten

Wolfgang Zimmermann ist Welperaner durch und durch. Blickt er auf seinen Stadtteil,
geht’s um Politik und Fußball, Benachteiligung und Dreck

Als wir unser Gespräch für dieses Porträt beenden, steht Wolfgang Zimmermann auf dem Sprung. Auf den Fußballplatz will er. Dort nimmt die SG Welper, dessen Vorsitzender er seit 2010 ist, gleich einen Mini-Traktor zur Pflege und Wartung des neuen Kunstrasens in Betrieb. Ein schöner Termin. Eine saubere Sache. Als er vor sein Haus an der Heinrich-Kämpchen-Straße tritt, verdüstert sich der Blick des 71-Jährigen. Auf der anderen Straßenseite liegt ein großer Haufen Sperrmüll. Und das schon seit drei Wochen. Ein schäbiger Anblick.

Serie Hattinger Stadteile: Welper – Menschen im Stadtteil

Ein Stadtteil zwischen Kunstrasen und Dreck – damit ist viel gesagt über Welper im Jahr 2014. Das war nicht immer so. Zumindest nicht für Wolfgang Zimmermann. „Natürlich ist Welper heute immer noch lebenswert“, sagt er. „Früher aber war der Stadtteil liebenswert.“

Früher – bei Schulte-Umberg direkt an der Ruhr. Dort, im Bruchsteinhaus, wächst Wolfgang Zimmermann auf. Der Vater ist Welperaner, die Mutter Ostpreußin. Seine Kindheit erlebt er „in einem Stadtteil voller Bewegung und Begegnung“. Immer sei dort etwas los gewesen, vor allem vor und nach dem Schichtwechsel auf der Hütte. Dort lernt auch er: Maschinenschlosser. Studiert später auf dem zweiten Bildungsweg Maschinenbau. Wird Ingenieur und geht zu Thyssen Edelstahl nach Witten.

Daheim steigt Wolfgang Zimmermann in die Politik ein. Mischt sich als Juso in die Stadtteilplanung ein – damals für den jetzigen Standort der Sparkasse. Muss sich einmal gegen ein Parteiausschlussverfahren wehren. Übernimmt Verantwortung: 30 Jahre ist Zimmermann als Stadtverordneter aktiv, elf Jahre als Chef der Ratsfraktion, 16 Jahre führt den SPD-Ortsverein Welper.

Er kennt den Stadtteil, als der noch 10 000 Einwohner hat, viel mehr Geschäfte, viel mehr Gaststätten. Heute, sagt er, sei eben alles weniger geworden – „nur der Dreck nicht“. Auch wenn er weiß, dass für den Sperrmüll vor seiner Haustür eine private Wohnungsgesellschaft verantwortlich ist und nicht die Stadt, sieht Zimmermann Stadtteile wie Welper gegenüber der Altstadt klar im Nachteil. „Dort wäre der Haufen längst weg.“

Allerdings: Auch die Bürger fassten nicht mehr an wie früher. Kaum jemand fühle sich verantwortlich. Jeder gehe seiner Wege. Eine Beobachtung, die der Sportler Zimmermann auch auf den Fußball überträgt. „Es ist schade und problematisch, dass viele Fußballer sich in rein ausländischen Sportvereinen isolieren und deutsche Clubs meiden. Dabei kann Sport eine so schöne Brücke sein.“

Und dann geht er los. Richtung Kunstrasen. Vorbei am Sperrmüll.

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