Vom Freiplatz in die 2. Bundesliga

WAZ, Sport in Hattingen und Sprockhövel
15. Mai 2014, Sebastian Schneider

Sven Morlock hat in der abgelaufenen Saison vier Einsätze in der ersten Mannschaft der VfL Astro Stars Bochum absolviert. Das freut den ehrgeizigen 19-Jährigen, auf Dauer reicht es ihm aber nicht: Er will weiter an sich arbeiten und weiter nach oben.

„Wenn man seine Ziele alle erreicht, dann hat man sie sich zu niedrig gesetzt“, sagt Sven Morlock. Wen wundert es da, dass er als seinen Traum angibt, einmal in der amerikanischen National Basketball Association (NBA) aufzulaufen, der bekanntesten und wohl auch besten Basketball-Liga, die diese Welt zu bieten hat?

Anforderungen in der ProB sind hoch

Trotzdem ist Morlock Realist, der seine vier Einsätze in der dritthöchsten deutschen Spielklasse (die ProB bildet zusammen mit der höher angesiedelten ProA die 2. Bundesliga) einzuordnen weiß. Die Zeit bis zu nächsten Saison will er nutzen, um an seinen Fähigkeiten zu arbeiten. „Ich will versuchen, vielseitiger zu werden“, so Morlock. „Dann ist man gefährlicher, als wenn man sich nur auf eine Sache konzentriert.“ Wie hoch die Anforderungen in der ProB sind, hat er erkannt: „Man kann nicht überlegen, sondern muss sofort Entscheidungen treffen.“ Auch körperlich will der Hattinger zulegen und Kraft aufbauen. Die Größe ist ja im Basketball auch nicht ganz unwichtig, und da kann man im Internet lesen, Morlock messe 1,98 Meter. Das ist aber nicht ganz richtig. „Ich bin 1,95 Meter groß“, sagt er. Somit ist er etwas kleiner als der für Bochum spielende US-Amerikaner Ryan Howard, der tatsächlich 198 Zentimeter lang ist.

Und dieser Ryan Howard ist ein Vorbild für Sven Morlock. „Auch so etwas wie ein Mentor“, sagt er. „Er hat in der ProA gespielt und ist der beste Spieler, den ich je gesehen habe. Von ihm kann man sehr viel lernen.“

Howard hatte in den USA sicherlich einen leichteren Zugang zu Basketball als Morlock in Deutschland. Der Sport unter den Körben gilt zwar schon lange als trendig – an Fußball oder Handball kommt er in der Beliebtheit hierzulande aber einfach nicht heran. Der Anstoß zu Sven Morlocks Karriere kam so aus der Familie und dem Umfeld. Zunächst war da die Großmutter, die selbst sowjetische Nationalspielerin war. „Sie hat, als ich in der zweiten Grundschulklasse war, die Basketball-AG gemacht.“

So war der Grundstein gelegt, auch ein zwischenzeitliches Intermezzo bei den Fußballern änderte daran nichts. „Meine Mutter erzählt immer, dass ich den Ball nie getreten habe“, erzählt Sven Morlock, der als Kind zwischen den Pfosten stand und mit den Händen ans Leder wollte.
Da lag es nahe, beim Basketball zu bleiben. Nach einer kurzen Zeit bei der U14 der SG Welper legte Morlocks dortiger Trainer und heutiger Basketball-Abteilungsleiter Witold Müller dem Jungen einen Wechsel zum VfL Bochum nahe. Praktisch: „Den Trainer dort kannte ich auch schon“, so Morlock. Das war nämlich Sebastian Meichsner, der heute für die Bezirksliga-Basketballer von der Marxstraße seine Punkte erzielt und den Morlock auf dem Freiplatz an der Waldstraße getroffen hatte.

Er hat es also geschafft, vom Freiplatz bis in die 2. Bundesliga. Und konnte dort gleich an einer Saison teilhaben, die für den Aufsteiger in die ProB erfolgreich war. Die Astro Stars erreichten die Playoffs, schlugen dort den Süd-Meister und scheiterten erst am letztendlichen Aufsteiger Oldenburg.

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