Vom Dezernenten zum Vize-Präsidenten

WAZ, Hattingen
4. Mai, Sabine Weidemann

Thomas Kubendorff war in Hattingen elf Jahre Beigeordneter für Jugend, Sport und Soziales, bevor er Landrat in Steinfurt wurde und heute die Kreise im Bund vertritt.

Elf Jahre lang wirkte Thomas Kubendorff als Dezernent für Sport, Jugend und Soziales in Hattingen. Er trainierte die Aerobic-Gruppen der SG Welper. Dann zog es ihn fort – in den Kreis Steinfurt, in dem er Landrat wurde und bis heute ist. Aber sowohl die Liebe zum Sport als auch die Verbundenheit zu Hattingen sind blieben. Auch wenn Kubendorff seine Fühler nach Düsseldorf und Berlin ausstreckt.

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Heute: Thomas Kubendorff

1988 wurde der damals 32-jährige Jurist als Dezernent vereidigt. „Bei der Bewerbung war ich sofort Feuer und Flamme, denn meine Großeltern kommen aus Hattingen“, erinnert sich Kubendorff. In seinen elf Amtsjahren meisterte er einige Herausforderungen. Zum Beispiel im Sportbereich: Unter ihm wurde den Vereinen die Verantwortlichkeit für die Sportstätten übertragen.

Oder im Bereich Jugend: „Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz war zwar noch nicht umgesetzt, aber wir haben viele Plätze und Strukturen geschaffen“, schreibt sich der heute 57-Jährige auf die Fahne. Im Sozialen wurde die Zuteilung der Asylbewerber und Aussiedler zu einer großen Herausforderungen: „Die Lage war dramatisch. Wir hatten bis zu 1200 Menschen da stehen.“ Die Lösung: das Wohnheim an der Werksstraße. „Als ich vor kurzem im Henrichs war, habe ich gesehen, dass das Haus umgebaut wurde.“

Den Draht zu Hattingen hat Thomas Kubendorff nie verloren, auch wenn es ihn 1999 wegzog. Im Landschaftsverband entstand die Idee, er könne im Kreis Steinfurt als Landrat kandidieren. „Das war auf einer Fahrt mit dem kommunalen Wirtschaftsausschuss bei einem Bier mit dem ehrenamtlichen Landrat von Steinfurt“, meint Kubendorff lachend. Die Mehrheitsverhältnisse stimmten für den CDU-Mann und er nutzte die Gelegenheit zum politischen Aufstieg. „Es war die schönste Zeit in Hattingen, auch bei der SG Welper. Ich denke mit Wehmut zurück. Aber ich wäre nicht glücklich geworden“, gibt er zu.

Dennoch weiß der leidenschaftliche Sportler auch heute genau, was in der alten Heimat passiert. Nicht zuletzt über Arnim Brux, Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises und wie Kubendorff Vize-Präsident des Landkreistages NRW. Acht Jahre stand der Steinfurter Landrat sogar an der Spitze des kommunalen Spitzenverbandes der Kreise in Nordrhein-Westfalen, wo er Gespräche mit Ministern und Staatssekretären führt: „Das ist sehr spannend.“

Bei seinem Amtsantritt in Hattingen 1988 betonte Kubendorff, wie sehr ihn Kommunalpolitik fasziniere: „In die Politik auf Bundes- oder Landesebene würde es mich nie ziehen“, gab er im Gespräch mit der Hattinger Zeitung zu Protokoll. Im Auftrag der Kreise betreibt der Landrat inzwischen aber nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Berlin Lobbyarbeit. Seit 2011 ist er Vize-Präsident des Deutschen Landkreistages. Ob er sich dort auch als Präsident sehen könnte? Verschmitzt antwortet Kubendorff: „Das möchte ich nicht bestätigen, aber interessant wäre es schon.“

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