Triathlet Roger Zoch ist bereit für Start auf Hawaii

Am Samstag findet die Ironman-WM in Kailua-Kona mit grün-weißer Beteiligung statt. Nach einigen Strapazen geht unser Mann ins Rennen – und hofft es zu beenden.

Unser Eisenmann Roger Zoch ist bereit für die WM. Fotos: Hendrik Steimann

Freudig berichtet Roger Zoch über Youtube, was er gerade so macht. Da drüben im Pazifik, auf Hawaii. Seine Kollegen hier rund um Welper können so genau verfolgen, was ansteht. Und am Samstag steht was ganz Großes an: Der Start bei der Ironman-Weltmeisterschaft. Ein Privileg, was nur die wenigsten Triathleten vorweisen können. Denn der Aufwand dafür ist groß, die Reise nicht mal eben gemacht. Daher ist unserem Eisenmann wichtig, auch unter Extrembedingungen zu bestehen.

4300 Kilometer auf dem Rad, 700 in Laufschuhen und 60 in Badehose hat Zoch in diesem Jahr bereits zurückgelegt – zählt man Trainings und Wettkämpfe zusammen. Nun folgt die größte sportliche Herausforderung seines Lebens. In diesem Jahr hat der 60-Jährige so richtig Gas gegeben, ebenso wie seine Kollegen aus der Triathlon-Abteilung. Über den Ironman in Zürich hatte er sich im Juli für das Sportspektakel qualifiziert. Seitdem hat er sich akribisch darauf vorbereitet – soweit es die Zeit neben dem Beruf zulässt. Unser Mann für Hawaii ist selbstständiger Softwaretechniker.

Zeit zum Akklimatisieren vor Ort

An seinem Rad hat unser Starter noch Details verfeinert.

Entwickeln musste er diesmal aber vor allem einen durchdachten Trainingsplan, um das Pensum durch die anstehende WM zu bewältigen. Und eigentlich klingt zu dieser Jahreszeit die Triathlon-Saison aus. Für Zoch ungewohnt, ebenso wie die Bedingungen vor Ort auf Hawaii, die seine Erwartungen übertrafen. „Die Bedingungen sind doch härter als erwartet. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass der Schweiß in Strömen fließt“, erzählte Zoch nach seiner Ankunft vergangene Woche. Mittlerweile hat er sich etwas daran gewöhnt, hatte einige Tage zum Akklimatisieren. Bei einer Vorbereitungstour mit dem Rad hat Zoch das Klima zu spüren bekommen. „Es ging auf 500 Meter hoch, wo es erträglich ist. Bei der Abfahrt zurück auf Meereshöhe merkte ich, in was für einer heißen Suppe man sich während des Wettkampfes bewegen muss.“

Zudem ist unser Starter noch nie im offenen Meer geschwommen, was bei der WM der Fall sein wird. Deshalb gehörten auch Einheiten im Salzwasser zur Vorbereitung. Verbunden mit Genuss: „Auf der Hälfte einer Strecke wird köstlicher Kaffee von einem Boot ausgeschenkt. Getrunken wird im Wasser“, erzählt er. Neben frisch geröstetem Kaffee ist die Inselgruppe im Meer auch bekannt für ihre bunten Blumenketten. Und neben der körperlichen Arbeit erlebt unser Triathlet auch ein wenig. Am berühmten Banyan-Baum hat er seinen Geburtstag mit Frau Claudia Fröhlich und Schwester Ramona Zoch vor einigen Tagen gefeiert. Auch der Hochzeitstag fällt in die Zeit des Übersee-Aufenthalts: Genau auf den 13. Oktober, den Wettkampftag.

Dem Rad den letzten Feinschliff verpassen

Der Fokus liegt bis dahin aber voll auf dem Sport. Dafür schraubt Zoch häufig noch an seinem Rad, um letzte Details zu verfeinern. Haltungen für die Trinkflaschen dürfen bei den Temperaturen um die 30 Grad und knallender Sonne nicht fehlen. Nach der Ankunft streikte zunächst der Radcomputer, den Zoch ersetzen musste. Auch an der Lenkung musste er nach einer Fahrt Korrekturen vornehmen. Doch davon lässt er sich keineswegs die Freude nehmen. Am Mittwoch stand die Nationenparade an, eines von vielen Aktionen rund um die Großveranstaltung. Dabei waren er und seine Frau sogar kurz im ZDF zu sehen.

Die SG Welper wird auf prominenter Bühne international vertreten.

Das Training ist mittlerweile – mit Ausnahme der Teststrecken auf Hawaii – auf null heruntergefahren. Zuvor hat der Athlet eben schon reichlich Kilometer gesammelt. „Und das ist eher das untere Ende, verglichen zum dem, was andere investieren“, weiß er. Für Hobbysportler seien solche Trainingsverhältnisse unvorstellbar. Der Wille ist ein wichtiger Faktor, dann muss der Körper mitspielen und das Ganze soll auch noch Spaß machen – was bei einer Extremdistanz wie einem Ironman zunächst komisch klingt. Doch darum geht es Zoch. Wenn Sport nur Quälerei (die immer ein bisschen dazu gehört) bedeuten würde, wäre irgendetwas nicht richtig.

Hauptsache über die Ziellinie laufen

Ein bisschen Nervosität spürt er mittlerweile, gibt er zu. Vor allem komme es im Wettkampf darauf an, sich die Kraft richtig einzuteilen. „So, dass ich es irgendwie über die Ziellinie schaffe. Es wäre extrem schade wegen Erschöpfung nicht das Ziel erreichen zu können“, merkt Zoch an, für den die Reise auch nicht billig ist. Allein schon für das Startgeld waren 887 Euro fällig, was die SG Welper übernahm.

Wenn der Wettkampf vorbei ist, gönnt sich Zoch noch drei Tage Erholung auf Hawaii. Um vor allem den Beinen eine Pause zu geben. Aber auch eine ganztägige Inselwanderung auf Island durch die Lavafelder im Volcanoes National Park ist geplant. Dort wurde im Vorfeld ein 10-Kilometer-Lauf auf der heißesten Stelle angeboten. Dann folgen wieder 17 Stunden Flug und eventuell ein Jetlack. Zurück in Deutschland geht der Alltag weiter – mit 3,8 Kilometern Schwimmen 180,2 auf dem Rad und einem Marathon mehr in den Knochen.

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