Sport ohne Wettkampfgedanken

WAZ, Sport in Hattingen und Sprockhövel
21. Mai, Hendrik Steimann

Bei vielen Sportarten steht der Wettkampf im Vordergrund, durch den sich die Sportler miteinander messen können. Auch im Kanu-Bereich sind Wettkämpfe möglich. Bei der SG Welper gibt es eine eigene Kanu-Abteilung. Die nimmt aber nicht an solchen teil, sondern betrachtet das Kanufahren aus einer ganz anderen Perspektive.

„Das, was wir machen, fällt in den Bereich des Freizeitsports“, sagt Kanu-Geschäftsführer Uwe Küster. Im Vordergrund steht also nicht die sportliche Höchstleistung, sondern die Erholung in freier Natur, die Kameradschaft und das Erkunden neuer Paddelreviere. Die Kanuten sind ohnehin sehr naturverbunden. Sie halten sich gerne draußen an der frischen Luft auf. „Auch ein kleiner Regenschauer ist für uns kein Hindernis“, merkt Küster an. Die Kanuten sind bei fast jedem Wetter aktiv. Nur nicht bei Sturm oder Gewitter. Im Winter läuft der sportliche Betrieb ebenfalls auf Sparflamme. Es gibt aber immer mal wieder zu besonderen Anlässen kleinere oder größere Touren, beispielsweise die Glühweinfahrt.

Der Fahrtenplan der Wassersportler ist mit einigen Wanderfahrten ausgestattet, bei denen die Welperaner Kilometer für ihr Wanderfahrtabzeichen sammeln. Das können sie aber nicht ausschließlich im Solopaddeln erreichen, sondern sie müssen auch eine bestimmte Mindestzahl bei Gruppenfahrten aufweisen. Die können auch schon mal über mehrere Tage angesetzt sein.

Fahrten ins Ausland

Über Ostern etwa ging es vor einem Monat nach Luxemburg. „Bei Gruppenfahrten sind wir über mehrere Stunden auf dem Wasser. Das fördert die Dynamik untereinander. Auf dem Wasser ist es zudem ein ganz anderes Erlebnis als auf dem Land. Es ist eine Romantik, die man heute sonst nur noch bei den Pfadfindern vorfindet“, meint Küster. Die Atmosphäre begünstigen auch die Lagerfeuer an den Abenden.

Abends sehen die Kanuten zudem in Gewässerabschnitten, in die sonst kein Freizeitsportler oder Tourist vordringen darf, auch Tiere wie Bisamratten oder Gänse. „Sie sitzen teilweise am Wasserrand und lassen sich gar nicht von uns stören. Tagsüber würde man sie aber nie treffen“, erzählt Küster. All das sind Erfahrungen, die besonders für jüngere Kanuten Neuland sind.

Kanufahren ist für Ungelernte nicht schwer. Paddeltechniken wie die Eskimorolle, bei sich ein umgekippter Kanute mit Hilfe seines Paddels wieder aufrichtet, sind nicht zwingend erforderlich. Es reicht, wenn jemand lernt, wie man mit dem Boot geradeaus fährt. „Das ist wie Fahrradfahren. Wenn man es einmal kann, ist die Bewegungsabfolge abgespeichert“, sagt Abteilungsleiter Holger Niekamp. Eine Grundkondition sollten die Einsteiger aber schon mitbringen. Denn über mehrere Stunden das Paddel zu bedienen ermüdet auch die Muskulatur. Das Tempo auf dem Wasser kann auch zügig sein, so dass die Kanuten am Abend wissen, was sie getan haben. Denn Kanufahren zählt zu den Ausdauersportarten.

Wer Lust hat, kann am Samstag selber in ein Boot steigen und über die Ruhr paddeln. Die Kanu-Abteilung der SG Welper bietet in der Zeit von 10 bis 18 Uhr Schnupperpaddeln an ihrem Bootshaus (Ruhrdeich 20) an.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://sgwelper.de/sport-ohne-wettkampfgedanken/