Sport mit faszinierender Aussicht

WAZ, Sport in Hattingen und Sprockhövel
28. Oktober 2016, Liliane Zuuring

Beim Kanufahren mit der SG Welper trainieren Jugendliche und Erwachsene, Fortgeschrittene und Anfänger mit Spaß gemeinsam. WAZ-Redakteurin begab sich selbst aufs Wasser.

Ein Eisvogel fliegt linker Hand vorbei. Ich halte inne beim Paddeln entlang der Kuhwiese, entspannt kann ich die Eindrücke auf mich wirken lassen: Denn Hartmut Möllmann (58) sitzt hinter mir im Zweier-Kanu und sorgt dafür, dass es gerade fährt, wir nicht kentern und nicht ständig im Kreis fahren. Damit letzteres nicht passiert, „bekommen Kinder anfangs manchmal auch ein Kanu mit Schwert“, klärt Hartmut auf.

Brauche ich nicht. Ich habe ja Hartmut. Zwar bin ich schon mal Kanu gefahren, aber das ist Jahre her, war in Vancouver und in sehr ruhigem Wasser. Das hat die Ruhr zwischen Welper und dem Isenberg nur seltenst zu bieten. Weshalb die Kanuten der SG Welper diesen Abschnitt wunderbar für ihr Training nutzen können. Denn die Buhnen bescheren reichlich Kehrwasser. Durch das Hindernis nämlich kehrt sich die Strömung. Die Kanuten paddeln hinein, wenden, stehen still, lassen sich dann langsam wieder mittreiben.

Anpaddeln 2015 (3)

Eine schöne Aussicht erlebte WAZ-Redakteurin Liliane Zuuring auf der Ruhr. So wie unsere Kanuten, wenn sie unterwegs sind. Foto: Holger Niekamp

Flugs nach dem Bootshaus, Ruhrdeich, kommt schon die Bootsrutsche. „Das könnte gleich nass werden“, warnt mich Hartmut vor, der sich zuvor geduldig meinem Anfängerrhythmus angepasst hat. Immerhin weiß ich: Die rechte Hand bleibt fest am Paddel, mit der linken muss ich es etwas drehen, damit es richtig ins Wasser eintaucht. Am Ende der Bootsrutsche (ich bin übrigens trocken geblieben) üben die Kanuten das Paddeln in der Strömung. Mit einem so genannten Bogenschlag kann das Kanu gewendet werden.

Ein Reiher hebt ab, Blumenblüten leuchten farbintensiv, Kanadagänse schauen eher gelangweilt herüber. Ich bin dem Fluss so nah, dass ich hören kann, wie das Kanu das Wasser gleich an meinen Zehen teilt. Die Perspektive vom Kanu aus ist faszinierend. Ein Sport mit Aussicht.

Ungewohnte Körperhaltung

Das aufrechte Sitzen im Kanu fordert meinem Bürostuhl-Rücken Haltung ab. Anstrengend ist das – und die Arme merken auch, was sie tun. Die Beine haben Glück, dass das Austarieren des Bootes Hartmut übernimmt. Für sie ist aber die Stellung ungewohnt: Fersen zusammen und die Knie unter den Bootsrand geklemmt.

Vor dem Einstieg muss sich jeder vorbereiten, Fußstützen einstellen, Montur anziehen: Badeanzug, Helm, Schwimmweste, unter selbiger die Jacke mit zwei Kaminen, zwischen die die Spritzdecke kommt. Wie ich die mit einem Ruck vom Kanu ziehe, wenn ich baden gehe und notaussteigen muss, zeigte mir Tobias Kleinschmidt (28), Trainer und Jugendwart, vor der Abfahrt.

„Ich darf heute nicht schwimmen gehen, ich hab mein Handtuch vergessen“, flachst eine Teilnehmerin. Das Schwimmengehen am Schwall, also der Stromschnelle unterhalb des Isenbergs gehört zum Training. Mit Schwimmweste und Helm lassen sich die Kanuten treiben. „Man muss das Wasser kennen, auf dem man paddelt. Denn es passiert immer mal, dass man baden geht“, sagt Tobias Kleinschmidt – und schwimmt voran. Mancher wagt gar die Eskimo-Rolle, mit der man sich nach dem Kentern wieder in Position bringt – ohne aus dem Kanu auszusteigen.

Viel ehrenamtliches Engagement

Was für mich eine erholsame Vier-Kilometer-Tour ist, ist für Vereinsmitglieder mit hohem ehrenamtlichen Engagement und viel Organisation verbunden: Denn gefahren wird vom Bootshaus bis zum Isenberg – dort stehen auf dem Wanderparkplatz Fahrer bereit, um Kanuten wie Kanus einzuladen und den zumeist nassen Sportlern trockene Sachen zu bringen. Drei Begleiter sind in den Kanus dabei, wenn Jugendliche und Erwachsene, Fortgeschrittene und Anfänger gemeinsam auf dem Fluss trainieren. Sie geben Tipps, motivieren, plaudern, warnen vor Angelschnüren, die sich fast unsichtbar quer über den Fluss spannen.

Trocken steige ich unterhalb der Isenburg aus dem Kanu. Danke, Hartmut. Denn ich bin noch zum Essen verabredet. Dabei wäre ich gern noch weitergepaddelt.

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