Sicherheit im Kanusport

Kleinflussfahrt im Sauerland (zu den Bildern)

 

Beim Kenterrollentraining in der Schwimmhalle verabredeten sich einige unserer Kanuten für eine Kleinflussbefahrung am 2. Februar im Sauerland. Hintergrund waren gute Wasserstände aufgrund kräftiger Regenfälle. Bei Temperaturen knapp über Null Grad wollten elf Sportkameraden die Wenne in der Nähe von Meschede bei einem sehr guten Wasserstand befahren. Bereits beim Umsetzten der Fahrzeuge wurde den wartenden Paddlern klar, dies wird ein sehr kühler Tag. Ein kräftiger Wind und Schneeregen drückten noch einmal kräftig die gefühlte Temperatur nach unten.

 

Weshalb endete diese Tour nicht im Desaster?

 

Die Gefahren denen wir uns bei derartigen Paddeltouren aussetzen.

 

  • Hohe Wasserstände bedeuten hohe Strömungsgeschwindigkeiten und bergen die Gefahr, dass der Kanute die Kontrolle über das Boot verliert und unkontrolliert abtreibt.
  • Niedrig hängende Büsche, niedrige Brücken und Stege sowie querliegende Bäume stellen Hindernisse dar, die ein Boot zum Kentern bringen können und die Gefahr bergen, hängen zu bleiben.
  • Wehreinbauten im Gewässer bilden Hindernisse deren Überwindung ein Risiko darstellt. Wehre sind kein Wildwasser sondern von nicht kanufahrenden Menschen geschaffene Bauwerke, die die Energie des Wassers abbauen sollen.
  • Hindernisse im Wasser (z.B. Felsen und Steine), die für unregelmäßige Wellen- und Walzenbildung sorgen und eine Kenterung des Bootes verursachen können.
  • Stürze können die Folge von glitschigen und unebenen Untergrund im Uferbereich sein.
  • Weiterhin ist hier noch die Hypothermie zu nennen, bei der es gerade im Wassersport zur Unterkühlungen des Sportlers kommt. Diese Unterkühlung kann beim Schwimmen im Wasser schnell lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

 

Um diesen wesentlichen Gefahren beim Befahren von Kleinflüssen zu begegnen, muss der Kanute Vorsorge treffen. Die Vereine stehen hier in der Pflicht, die Mitglieder über die Gefahren aufzuklären und Angebote zu schaffen, um diese Gefahren abzuwenden.

 

An erster Stelle steht hier natürlich die Ausbildung der Kanusportler. Der Kanute muss ausreichend gut paddeln können um die Anforderungen des Gewässers beherrschen zu können. Beim regelmäßigen Training in der Schwimmhalle und auf unseren Flüssen muss der Paddler neben der Grundtechnik auch die weiterführenden Techniken zur Bootsbeherrschung lernen. Stütz-, Zieh- und Bogenschläge dienen dabei zur Korrektur der Fahrtrichtung, sowie der Stabilisierung des Bootes in bewegtem Wasser. Bei flotter Strömung ein Boot anzuhalten gelingt in der Regel nur, indem man das Kanu mit einer 180°-Wende in ein Kehrwasser bewegt. Das Kehrwasser ist ein Bereich nach einem Hindernis oder am Ufer mit wesentlich geringerer Strömungsgeschwindigkeit. Zur Weiterfahrt muss man diesen Bereich wieder verlassen. Das muss erlernt und ständig geübt werden. Eine weitere, für die Befahrung von Kleinflüssen im Frühjahr, unerlässliche Technik ist die Kenterrolle. Hierbei stellt der Kanute das gekenterte Boot wieder auf. Im Fall einer Kenterung ist der Sportler schnell wieder aus dem Wasser heraus und, vorausgesetzt er ist vernünftig gekleidet, kaum nass geworden. Natürlich hat ein vernünftiger Kanuverein hier Angebote für seine Mitglieder, damit diese die Technik lernen können. Darüber hinaus bietet der Deutsche Kanuverband mit der Kanuschule NRW ein erstklassiges Kursangebot, mit denen interessierte Sportler unter kompetenter Anleitung die Paddeltechniken richtig erlernen können. Diese Kurse machen viel Spass und sind absolut empfehlenswert.

 

„Vorausgesetzt der Kanute ist vernünftig gekleidet“: Dies ist der nächste Punkt, der bei Kleinfussfahrten eine wichtige Rolle spielt. Dem wirksamen Schutz vor widrigen Witterungs- und Wassertemperaturen kommt eine ebenso wichtige Rolle zu, wie der richtigen Paddeltechnik. Die oben beschriebene Unterkühlung der Sportlers birgt das größte Risiko im Kanusport. Abgesehen vom Kälteschock beim Eintauchen ins kalte Wasser ist  der Sportler wenige Minuten nach einer Kenterung nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen und sich selbstständig aus seiner prekären Lagen zu retten. Darum ist bei Touren auf kaltem Wasser eine gute Kälteschutzkleidung unerlässlich. Für Kleinflussbefahrungen hat sich Neoprenkleidung zum Schutz des Körpers vor Unterkühlung als ausreichend erwiesen. Der Sportler wird zwar nass, aber der Neoprenanzug verhindert ein Auskühlen. Neoprenschuhe mit einer festen, profilierten Sohle sorgen für ausreichenden Halt auf glitschigem Boden und sorgen für warme Füße, auch wenn man mal ins Wasser tritt. Beim Schutz des Oberkörpers, der beim Paddeln aus dem Boot herausguckt, muss man schon etwas mehr Aufwand betreiben. Hier haben sich seit Jahren Paddeljacken auf dem Markt etabliert, die an Armen und am Hals mit Latexmanschetten dicht abschließen und das Eindringen von Wasser sicher verhindern. Den Abschluss am Bauch realisiert ein doppelter Kamin, der zusammen mit einer Spritzdecke den weitgehend wasserdichten Verschluss des Kajaks darstellt. Unter der Paddeljacke trägt man gewöhnlich noch Microfaserkleidung die Feuchtigkeit vom Körper weg leitet und so den Sportler warm hält. Dieser Schutz vor kaltem Wasser hält den Anforderungen des schlechten Wetters bei Weitem stand.

 

Bleibt noch die Sicherheitsausstattung: Ein Helm schützt den Kopf vor Stößen von oben und unten. Unten bedeutet dabei die Berührung mit Steinen und Hindernissem im Fall einer Kenterung. Viel häufiger kommt der Helm aber zum Schutz vor niedrig hängenden Hindernissen wie Ästen, Bäumen oder niedrigen Brücken zu Einsatz. Neuerdings kommt der Helm aber auch immer öfter als Halterung für Aktion-Kameras zum Einsatz, was die Schutzfunktion des Helms allerdings eindeutig reduziert. Weiterhin gibt uns eine Schwimmweste zum Einen zusätzlichen Auftrieb beim Schwimmen, zum Anderen schützt sie den Körper vor Stößen bei Kollisionen mit Hindernissen. Einen Schutz vor Ertrinken gewährleisten diese Westen allerdings nicht. Ein Sportkamerad, der im Notfall helfen kann ist daher unerlässlich. Darum: „Paddel niemals allein!“ Für den Außenstehenden nicht erkennbar führt gewöhnlich jeder Teilnehmer im Boot einen Wurfsack mit einer Leine mit, der einem Schwimmer zugeworfen werden kann oder mit dem ein Retter gesichert werden kann, der angeleint einen Schwimmer bei Gefahrensituationen zur Hilfe kommt. Wichtig hierbei ist allerdings, dass man den Umgang mit dem Wurfsack sowie die Rettungstechniken gelernt hat. Dass muss ständiges Thema beim Training sein. Weiterhin gehört natürlich ein Erste-Hilfe Set an Bord.

 

Letztlich ausschlaggebend für die Sicherheit einer Kanutour ist die Kenntnis des Gewässers, welches befahren werden soll. Flussführer, z.B. des Deutschen Kanuverbandes, bieten detaillierte Informationen und klären über Schwierigkeitsgrade und Hindernisse des auserwählten Flusses auf. Zusätzlich sollte man Informationen von ortskundigen Sportkameraden einholen oder diese besser gleich zu einer Befahrung mitnehmen. Im Internet und vor Ort ist in jedem Fall noch der Pegelstand zu erkunden, damit man abschätzen kann, ob die Fahrtenteilnehmer den Schwierigkeiten gewachsen sind und eine Befahrung bedenkenlos erfolgen kann. Hat ein Teilnehmer plötzlich „Bauchschmerzen“ und mag nicht mehr paddeln, ist dass in jedem Fall zu respektieren. Im Idealfall kann er das Auto zur Aussatzstelle fahren. Sind all diese Punkte erfolgreich abgearbeitet, steht einer schönen und sicheren Kanutour auch im Winter nichts mehr im Wege.

 

Die Wenne-Tour wurde übrigens für alle Teilnehmer ein toller Paddeltag, an den alle noch gerne zurück denken werden.

 

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