SG Welper entsendet ihre Triathleten auf die längsten Distanzen

Die spektakulären Challenge- und Ironman-Wettkämpfe rücken näher. Wie unsere Sportler ihren Alltag danach richten.

Die Triathleten (v.l.n.r.) Thomas Wagner, Christoph Kreutzenbeck, Andreas Moch, Berthold Janzen und Roger Zoch haben bereits Ironmen gelaufen.

Was für den Normalbürger kaum noch vorstellbar ist, wurde für die Triathleten der SG Welper zum Ziel. Die Bewältigung der Triathlon-Langdistanz, die sich über insgesamt 226 Kilometer erstreckt. Die Distanz ist unterteilt in 3800 Meter Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen (die Laufstrecke entspricht exakt der Distanz eines Marathons).  Wer das schafft, hat einen Ironman hinter sich.

Die Triathleten Andreas Moch, Berthold Janzen, Christoph Kreutzenbeck, Norbert Breucker, Roger Zoch und Thomas Wagner stellen sich dieses Jahr wieder dieser Hausforderung und das auf verschiedenen Schauplätzen. Für Moch geht es auf einen Ironman-Wettkampf in Maastricht, für Janzen, Zoch und Wagner steht der Ironman Switzerland in Zürich an, Breucker startet auf der Ironman-Veranstaltung in Hamburg. Für Kreutzenbeck stehen gleich zwei Langdistanzen auf dem Programm beginnend mit der Roth-Challenge, einem riesigen Spektakel mit über 5000 Startern und wie der Veranstalter angibt, an die 200.000 Zuschauer. Nur vier Wochen später trifft er sich in Zürich mit Berthold, Roger und Thomas und nimmt am dortigen Ironman teil.

Zeit der Entbehrungen vor dem Wettkampf

Roger Zoch läuft spätabends um den Kemnader See.

Die Zeit bis zu den Wettkämpfen ist entbehrungsreich, denn keiner der Welperaner ist als Profi unterwegs, sondern muss die notwendigen Trainingszeiten mit Familie und Beruf in Einklang bringen. Wie Zoch berichtet: „Da klingelt der Wecker an einem Sonntagmorgen um fünf Uhr und bevor die Brötchen auf dem Tisch liegen zeigt der Radtacho 120 Kilometer mehr an.“ Das Trainingspensum, um eine Langdistanz durchzustehen, ist immens. 3000 bis 4000 Kilometer werden in einem Frühjahr allein auf dem Rad zurückgelegt, wobei Touren mit einer Länge von 180 Kilometern keine Seltenheit sind.

Nachts allein um den Kemnader See

„Wenn es nur die Radeinheiten wären, sehe es erträglich aus, doch nach über 100 Kilometer noch locker einen 10er zu laufen ist etwas anderes. Wenn die Beine sich plötzlich wie Betonklötze anfühlen“, so Janzen. Neben dem Radtraining gehört selbstverständlich das Laufen zur Vorbereitung und besonders die Kombination aus Radfahren und Laufen, dem Koppeltraining. 30 bis 50 Laufkilometer werden im Schnitt jede Woche absolviert. „Mir bleibt oft nichts anderes übrig als Abends um 21 Uhr noch einsame Runden um den Kemnader See zu drehen. Zum Glück ist die Strecke beleuchtet“, so Roger, der dann doch etwas Positives aus dem Ganzen ziehen möchte.

Zweimal in der Woche treffen sich die Triathleten der SG zum Schwimmtraining im Hallenbad Holthausen. Dort werden sie von den Schwimmtrainern tatkräftig unterstützt, denn an der Schwimmtechnik gibt es immer etwas zu verbessern. „Im Gegensatz zum Freilufttraining ist das ‘Kachelnzählen’ etwas, was einen in die Vereinsamung treiben könnte“, behauptet Wagner, der dieses Jahr seine 14. Langdistanz angeht.

Körperliche Leistungsfähigkeit entwickelt sich

Andreas Moch beginnt ein halbes Jahr vor dem Wettkampf mit strukturiertem Training.

Man könnte sich fragen, wo da der Spaßfaktor bleibt, bei der „Schinderei“, aber geteiltes Leid ist halbes Leid, sodass sich die Welperaner Eisenmänner gegenseitig motivieren. Moch meint: „Wer eine Langdistanz angeht, der bewegt sich gerne. Rund ein halbes Jahr vor dem Wettkampf beginnt das strukturierte Training und es ist immer wieder faszinierend, wie sich die körperliche Leistungsfähigkeit über die Wochen und Monate entwickelt.“

Die sechs Hartgesottenen sind keine unerfahrenen Athleten, haben zum Teil schon lange Jahre Erfahrung auf der Langdistanz und sind natürlich auch auf kürzeren Distanzen am Start. So stellt die SG Welper zwei Mannschaften, die in der Landesliga und in der Verbandsliga starten. Jeweils vier Athleten müssen zusammen einen Wettkampf bestreiten. Da müssen die „Ironmänner“ – leider gibt es derzeit keine Welperanerin, die sich auf die Langdistanz traut – regelmäßig mit an den Start. Auch wenn die kurzen Distanzen nicht optimal zum Trainingsplan passen, so sind sie doch eine willkommene Abwechslung.

Kreutzenbeck macht den Auftakt in Roth

Kreutzenbeck wird als erster seine Wettkampfausrüstung zusammenpacken, um zur Roth-Challenge südlich von Nürnberg zu fahren. Neben dem Trikot der SG Welper, den Laufschuhen, Schwimmbrille, Neopren-Anzug, Radhelm und Brille gehört die Zeitfahrmaschine zu den wichtigsten Utensilien eines Triathleten. Auf den Langdistanzen ist Windschattenverbot, was bedeutet, dass niemand in geringem Abstand zu einem Vordermann fahren darf und jeder die Radstrecke allein absolviert.

Bei Durchschnittsgeschwindigkeiten von 35 km/h kann Windschatten bis zu 20% Krafteinsparung bedeuten. Da kommt dem windschnittigen Rad eine große Bedeutung zu. Zwischen 3500 und 5000 Euro haben die Welperaner in ihre Räder investiert, was sicherlich nicht preiswert ist, aber dennoch günstig zu dem, was möglich ist. Top-Zeitfahrmaschinen können schnell bei über 10000 Euro liegen.

„Die Schmerzen vergehen, doch der Stolz bleibt“

Thomas Wagner geht seine 14. Langdistanz an.

Ob sich diese Investitionen und der Aufwand für das Training am Ende lohnen, werden wir nach den Wettkämpfen berichten. Nach der Roth-Challenge ist der Ironman Switzerland Ende Juli an der Reihe, wie auch der Ironman Hamburg. Der Ironman Maastricht findet Anfang August statt. Bis dahin kommen sicherlich noch einige Trainingskilometer dazu, denn es gibt auch etwas zu gewinnen.

Bei einer guten Platzierung ist es möglich, sich für den Ironman auf Hawaii zu qualifizieren, der Weltmeisterschaft über die Triathlon-Langdistanz. Doch auch wenn dies nicht gelingt, wer bei einer Langdistanz über die Ziellinie läuft erlebt Emotionen pur. Nicht umsonst heißt es unter den Finishern: „Die Schmerzen vergehen, doch der Stolz bleibt.“

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