Kanuten erleben Schönwetterfront

Die Schönwetterfront ist ein Phänomen, welches zwar sehr häufig auftritt, aber nur von einer zahlenmäßig eher begrenzten Personenzahl wahrgenommen werden kann. Grundvoraussetzung für die Wahrnehmbarkeit dieses Wetterereignisses ist, dass man Kanusportler ist.

Samstag. Ende Januar. Man sitzt am Mittagstisch. Draußen ist es kalt und nass. Schon seit dem Vortag herrscht Dauerregen und der Nicht-Kanu-Sportler denkt “Was ein Schietwetter!”. Der Kanusportler hingegen schaut erwartungsvoll aus dem Fenster, staunt über die Wassermassen, die sich vom Himmel ergießen, erkennt die Schönwetterfront – und schon krächzt Jimmy aus dem Mobiltelefon „Jääähhh…“. Es ist Sebastian dran, mit der freudigen Botschaft: „Die Pegelstände sind perfekt. Die Kleinflüsse der näheren Umgebung laufen. Morgen 10:30 Uhr am Bootshaus“. „Ja, ich bin dabei“ lautet wie selbstverständlich die Antwort.

Am Sonntag treffen sich dann acht Frauen, Männer und Jugendliche zum Beladen der Fahrzeuge. Die Wahl ist auf die Ennepe gefallen, ein munterer Kleinfluss und Namensgeber eines ganzen Kreises. Nach kurzer Anfahrt stehen wir an der Einsatzstelle. Ein Auto mit trockenen Sachen hatten wir bereits am Ausstieg abgestellt. Es kommt jemand auf uns zu und erkundigt sich, ob wir die Autos schon umgesetzt hätten. Seine Frau hat ihn mit seinem Boot hier abgesetzt und er hat seine Spritzdecke im Auto am Ausstieg vergessen. Das ist ein richtiges Problem, da man auf der randvollen Ennepe mit offenem Boot nicht paddeln kann. Kurzfristig helfen wir ihm mit einer Ersatzspritdecke aus, so dass er seine Tour starten kann. Nach dem Abladen der Boote können auch wir mit unserer Tour starten.

Die Ennepe hat wirklich einen super Pegelstand. Das schnell fließende Wasser erfasst sofort unsere Boote und bei beachtlicher Wellenbildung spült es uns unter niedrig hängenden Ästen um enge Kurven und auf zahlreiche Hindernisse zu. Gefürchtet sind unter Kanuten vor allem umgestürzte Bäume die quer über dem Bach liegen. Wir müssen zahlreiche dieser Baumhindernisse überwinden. Dies bedeutet man findet eine Stelle die geeignet ist unter dem Baum hindurch oder über den Baum hinweg zu kommen. Heute müssen wir einige Male die Boote verlassen und die Baumhindernisse umtragen. Treibt einen die kräftige Strömung gegen einen querliegenden Baum, besteht die Gefahr unter Wasser gedrückt zu werden. Nicht gerade eine verlockende Perspektive.

Auch einige Wehre galt es zu überwinden, oder wenn die Vernunft es verlangte auch mal zu umtragen. Nach einer kurzen Schwimmeinlage von einem Jugendlichen unseres Teams, ein paar niedrige Büsche hatten ihn aus der Balance gebracht, waren wir heute total vernünftig und ließen die Kids öfter mal ein Wehr umtragen.

Bei einem Zwangsstopp, ein Wehr war wiedermal zu besichtigen, stand bei diesem nasskalten Wetter ein Mann am matschigen Ufer. Es war nicht etwa ein Nichtkanute auf Abwegen, sondern der Sportkamerad vom Einstieg. Er hatte seine Fahrt bereits beendet und war uns mit seinem Auto entgegengefahren, um die ausgeliehene Spritzdecke zurückzugeben.

Die Spritzdecke war schnell verstaut, das Wehr schnell und sicher überwunden und dank erfahrener Vorfahrer konnten wir die Fahrt ohne nennenswerte Blessuren am Minigolfplatz beenden, dort hatten wir das Auto mit den trockenen Sachen abgestellt.

Sollte nun jemand diese Ortsangabe zu ungenau finden, wäre dies eine Erklärung dafür, weshalb bei Regenwetter so viele Kanuten an den Bächen auf und ab fahren. Die Ortsangaben erfahrener Kanuten sind im Navigationssystem einfach nicht zu finden. Auf meine Nachfrage am Morgen erhielt ich die Antwort, man könne mir den Ausstieg auf einer Karte zeigen, wenn man denn eine hätte.

Zufrieden über diese Paddeltour trennten wir uns am frühen Nachmittag, nach dem Verstauen unser Ausrüstung, am Bootshaus.

Danke für diese Tour.

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