Kanu: 127 – Unsere Zahl der Woche

In einem Sportverein denkt man bei Zahlen zunächst an Platzierungen. Platz 127 in einem Wettkampf? Soll man darüber berichten? Nein! Warum wir das trotzdem tun.

Wir sind zum Glück Kanuten und somit haben Zahlen bei uns eine andere Bedeutung. Eine Deutung könnte sein, dass es das erste Wochenende des Jahres 2018 war, draußen hatten wir angenehme 2 Grad (das Wasser war nicht gefroren) und es hatten sich sieben Kanuten der SG Welper zum Paddeln verabredet.

Eine weitere und durchaus wichtigere Bedeutung der Zahl 127 war, dass der Pegel Walkmühle an der Ennepe einen Pegelstand von 127 cm aufwies und damit 27 Zentimeter über dem Mindestpegel für eine Befahrung lag. Unsere Entscheidung diesen Bach zu befahren, sollte uns eine ereignisreiche Tour bescheren.

Baumhindernis nach 500 Metern

Boote laden – Anfahrt nach Ennepetal – Paddelkleidung anziehen – ein Auto zum Pendeln an der Aussatzstelle abstellen und zur Einsatzstelle unterhalb der Ennepe-Talsperre fahren war diesmal total unkompliziert. Wir hatten uns unterwegs nicht einmal verfahren. So konnten wir pünktlich zur Mittagszeit in unsere Boote einsteigen und unsere Paddeltour beginnen. Der Bach war randvoll und die sehr flotte Strömung trieb uns nach noch nicht einmal 500 Meter auf das erste Baumhindernis zu. Besser gesagt wurden die ersten beiden Paddler darunter hinweg getrieben und wir konnten den ersten Schwimmer verzeichnen. Durch dieses Ereignis sensibilisiert einigten wir uns auf einen größeren Abstand zueinander, um rechtzeitig anhalten zu können.

Uwe Küster

Anhalten auf einem Bach mit flotter Strömung bedeutet, dass man sich hinter einem Hindernis ein Kehrwasser mit gegenläufiger Strömung sucht und dort mit seinem Boot in einem Bogen einfährt. Zum Anhalten in der Strömung rückwärts zu paddeln, ist kaum erfolgversprechend. Eher wird man von der Strömung auf das Hindernisse geschoben und ins kalte Nass befördert. Wenn wir beim Training auf der Ruhr am Isenberger Schwall immer wieder das Einfahren ins Kehrwasser üben oder in der Strömung Seilfähren vorwärts und Rückwärts fahren mag es manchen langweilen. Wer uns auf solche Touren begleiten möchte, sollte diese Techniken aber beherrschen.

Enge Kurven und hohe Wehre

Nach dem Ausleeren des Bootes setzten wir unsere Fahrt fort. Niedrig hängende Äste, quer liegende Bäume und über den Bach gespannte Weidezäune stellten die meisten Hindernisse dar. Durch enge Kurven war der Fluss unübersichtlich und anspruchsvoll. Unterbrochen wurde unsere Fahrt durch einige Wehre, die jedoch nicht immer von Allen befahren wurden. Das Umtragen eines Wehres, dessen Befahrung man sich nicht zutraut, sollte in einer Gruppe kein Problem darstellen. Schlimmer wären Unfälle oder Fahrtenteilnehmer die das Vertrauen in sich und die Mitfahrer verlieren. Ein etwa vier Meter hohes Steilwehr am Ende eines kleinen Sees wurde dann nur noch von zwei Fahrtenteilnehmern befahren.

Obwohl wir den erfahrenen Paddlern die Kleinflussneulinge zugeteilt hatten, konnten wir zahlreiche weiter Kenterungen nicht verhindern. Zum Teil erinnerte mich die durch die Fluten watenden Wassersportler an die Canyoning-Tour mit meinem Sohn im Sommer. An einem nicht passierbaren querliegenden Baum, der wieder einmal ganz plötzlich hinter einer Kurve auftauchte, ereilte es uns dann. Die Ersten trieb es wieder einmal auf das Hindernis. Obwohl ohne Kenterung blieb ein Paddel verschwunden. Im Geäst des umgestürzten Baumes war nichts zu finden und auch abwärts war kein Paddel zu sehen. Die eilige Suche nach dem abgetriebenen Paddel trieb unsere Gruppe auseinander.

Jogger mit Paddel in der Hand

Zum Glück konnte das Paddel dann doch noch unter den Ästen des Baumes verkeilt auf dem Grund der Ennepe gefunden und geborgen werden. Nach und nach fand die Truppe bei der Weiterfahrt wieder zusammen. Nur ein Teilnehmer blieb bis fast kurz vor Schluss verschwunden. Er war dem „abgetriebenen“ Paddel hinterhergefahren. Als er es an der Aussatzstelle offensichtlich noch nicht gefunden hatte, kam er uns mit seinem Paddel entgegen gelaufen. Da wir seine Hilfe nicht in Anspruch nehmen mussten, konnte er mit dem Paddel in der Hand wieder zurück joggen. Falls also jemand seltsam gekleideten Joggern mit Paddeln im Wald begegnen sollte, könnten wieder einmal die Kanuten der SG Welper unterwegs sein.

Nass, aber noch nicht frierend beendeten wir die Tour. Richtig kalt wurde es erst, als wir unsere Kälteschutzkleidung auf dem Parkplatz ablegten und die trockene Kleidung wieder anzogen. Nach kurzem Rückholen der Autos von der Einsatzstelle und verladen der Boote fand jeder einen Platz auf einem beheizbaren Autositz und wir traten die Heimreise an. Am Bootshaus war alles schnell abgeladen und bis zur nächsten Tour im Bootshaus verstaut. Nach der Zusicherung, dass unsere Kleinflussneulinge bei der nächsten Kaltwassertour gerne wieder dabei sind, verabschiedeten wir uns in einen hoffentlich ruhigen Sonntagnachmittag.

Ahoi, Uwe Küster

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