Jenseits des Wassers: als Kontrolleur 900 Bäume im Blick

Wenn er mit dem Verein unterwegs ist, dann in der Regel im Kanu, draußen in der Natur. Doch auch beruflich hat Uwe Kleinschmidt mit der Natur zu tun – im Auftrage der Stadt Hattingen.

WAZ, Hattingen
30. März 2017, Eva Arndt

Bekenntnis eines Gärtners: „Man guckt immer nur nach oben.“ Eine Berufskrankheit quasi. Das sagt Uwe Kleinschmidt, der bei der Stadt zertifizierter Baumkontrolleur ist. Sprichwörtlich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen, das kann dem 56-Jährigen nicht passieren. „Ich kenne hier jeden Baum mit Vornamen“, sagt er und schaut mal wieder nach oben. Er geht anders durch die Welt als der normale Mensch. 9000 Bäume nimmt er pro Jahr unter die Lupe. 6000 bis 7000 auf städtischem Gebiet. An Schulen und Kindergärten wird zweimal kontrolliert.

In diesem Jahr beginnt er in Welper an der Erik-Nölting-Grundschule. Er begutachtet einen Ahorn, der auf dem Schulgelände steht. Ein abgebrochener Ast hat sich senkrecht in anderen Zweigen verfangen. Das gibt auf dem Stamm einen dicken grünen Punkt. Kleinschmidt ist wohl der einzige Sprayer, der in der Öffentlichkeit ganz locker während des Tages mit einer Spraydose hantiert. Es ist ein Markenprodukt für Bäume, das in ungefähr zwei Jahren wieder weggewaschen ist.

Uwe Kleinschmidt (vorne) beim Paddeln.

Mit 100 Jahren ist eine Buche im besten Alter

In diesem Jahr sagt der grüne Punkt der Baumpflegekolonne, dass dieser Baum Beachtung finden muss. Was genau an Eiche, Kastanie, Buche und Co. zu machen ist, trägt der Baumkontrolleur in Seiten ein, nach denen sich die Baumpfleger richten. Jedes Jahr nimmt der oberste Baumwächter eine andere Farbe, damit keine Verwechslung aufkommt.

Auf die Kronen der zum Teil mächtigen Riesen fällt sein Augenmerk zuerst. Mit 100 Jahren ist eine Buche zum Beispiel gerade mal im besten Alter. Dann wandern die Blicke langsam hinunter. Gibt es Faulstellen oder Risse, sind Äste trocken geworden, hat er Schädlings- oder Pilzbefall, ist die Verkehrssicherheit gewährleistet? Seit dem Jahr 2000 führt er diese Kontrollen durch. Die Bäume zunächst mit Abstand zu taxieren, verschafft ihm Überblick.

Geändert hat sich im gärtnerischen Bereich eine Menge

Wieviel Verantwortung lastet auf seinen Schultern? „Ich stehe nicht ständig mit einem Bein vor Gericht“, betont er. Wichtig sei die regelmäßige Kontrolle. „Ich sehe ja nicht in die Glaskugel. Natürlich können beim Sturm Äste abbrechen, es kann auch ein ganzer Baum umfallen. Aber ich decke ja auch kein Dach ab, weil beim nächsten Sturm Ziegel herunterfallen könnten“, sagt Uwe Kleinschmidt.

Geändert hat sich in den vergangenen Jahren auch im gärtnerischen Bereich eine Menge. Erkenntnisse sind hinzu gekommen, Bäume werden anders gepflegt. „Man lässt heute Wasser in Gabelungen stehen. Früher hat man eine Ritze in den Stamm gezogen, damit das Wasser ablaufen kann. Heute weiß man, dass im Wasser keine Pilze wachsen und eine Beschädigung im Stamm immer eine Gefahr für den Baum bedeutet.

Seinen Beruf liebt Uwe Kleinschmidt, weil er so abwechslungsreich ist: „Mal drinnen, mal draußen, mal Natur, mal Büro.“

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