Ironman 70.3 Duisburg

Athleten-Bericht von Felix Ehlert

Brückentag in Duisburg

Es folgt ein Jubeltext mit zunächst angezogener Handbremse. Mit Tom Wagner und Felix Ehlert beendeten zwei Welperaner Triathleten den Ironman 70.3 Duisburg erfolgreich und gesund. Dennoch darf die Demut nicht zu kurz kommen: Dass Wochen nach einer Corona-Infektion die Fitness für fünf bis sechs Stunden Ausdauersport am Stück vorhanden ist, ist keine Selbstverständlichkeit. Da gibt es genug andere Beispiele, seien wir also dankbar. 

Erwähnt werden muss auch der erneute Todesfall auf der Schwimmstrecke. Wie schon bei der Premiere des Wettkampfs im Vorjahr zog die DLRG einen Menschen leblos aus dem Wasser. Die Reanimationsversuche im Blickfeld vieler Zuschauer unter Fortführung des Wettbewerbs blieben auch hier leider erfolglos. Möge der Sportsfreund in Frieden ruhen.

Eigenwillige Blockbildung

Die meisten der insgesamt rund 3000 Athleten bekamen davon nichts mit, der Großteil war schon auf dem Rad oder noch damit beschäftigt, die Startprozedur zu verstehen. Als Rolling Start alle paar Sekunden zwei Sportler auf die Strecke zu schicken, etabliert sich ja derzeit. Veranstalter Ironman hatte drei Blöcke vorgegeben, für die die Triathleten ihre erwartete Schwimmzeit angeben mussten. Für mich war Block C die klare Wahl, aber insgesamt war das Selbstbewusstsein der Teilnehmer so ausgeprägt, dass Block A zu voll wurde und Ironman die Trennung nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Abweichend von allen Unterlagen, Athletenbriefings und mündlichen Auskünften der Helfer konnte am Ende jeder reinspringen, wann er wollte – musste sich aber bis zu eine halben Stunde in die Schlange der Froschmänner und -frauen stellen. Bei etwa 23 Grad Wassertemperatur war Neopren erlaubt und bis auf wenige Ausnahmen in Trisuit oder sogar nur Badehose der allgemeine Dresscode.

Tom war Block B zugeteilt worden, er interpretierte dies aber liberal, konnte mit einer leistungsgerechten Gruppe schwimmen und die Duisburger Regattastrecke nach gut 33 Minuten verlassen. Ich brauchte knapp 42 Minuten und kam mit den Bedingungen bei meiner Mitteldistanz-Premiere gut zurecht. Durch die Anspannung dauerte es etwas, bis ich meinen Rhythmus gefunden hatte und unter den schlechteren Schwimmern machen Menschen schon einmal unvorhersehbare Bewegungen, aber die relativ schmale Strecke mit vielen Bojen und Markierungen erleichterte die Orientierung und verschaffte mir ein so gutes Gefühl, dass ich unter Wasser stellenweise ein Grinsen im Gesicht hatte. 

Unter der kleinen Brücke kurz vor dem Schwimmausstieg hörte man dann auch die Zuschauer, ich schwamm die letzten Meter Brust, um mehr mitzubekommen.

Bierbänke ohne Bier

Dank Ironmans Konzept einer “cleanen” Wechselzone führten mich meine ersten tapsigen Schritte nicht zu meinem Rad, sondern zur endlosen Reihe von Wechselbeuteln. Die davor aufgestellten Bierbänke waren beim Ausziehen des Neos zwar eine große Hilfe, aber irgendwie tummelten sich gerade alle Startnummern aus meiner Umgebung gleichzeitig beim Wechsel, sodass die Athleten den wenigen Platz kreativ nutzen mussten. Trotz Tunnelblicks bei allen gelang dies erstaunlich sozialverträglich. 

Bei den Rädern klafften schon reichlich Lücken, mein grauer Esel war zudem gut auffindbar der äußerste auf dem langen Metallständer, von daher musste ich nur zugreifen und losschieben.

Carbon statt Stahl

Zu absolvieren waren 90 Kilometer, aufgeteilt auf zwei Runden durch Duisburg und Moers. Auf den ersten Kilometern konnte man eindrucksvoll sehen, wie viel Schwerindustrie die Region noch prägt. Insgesamt viermal ging es via “Brücke der Solidarität” über den Rhein, deren Name an die Schließung von Stahlwerken und die Proteste dagegen erinnert und die ikonisch auf den Medaillen und dem Merchandise zum Ironman 70.3 Duisburg abgebildet ist. Das Material der Triathleten ist zwar Carbon statt Stahl, aber für die Ruhrgebietskinder unter den Teilnehmern waren die Rheinüberquerungen sicher besondere Momente – die trotz aller Nostalgie aber auch Konzentration erforderten, weil es auf der Brücke etwas windete. Also Griffel an den Lenker, Kopf runter und treten.

Die Radstrecke war flach und schnell. Ohne Wattmesser unterwegs, hatte ich mir zur groben Orientierung und um mich nicht abzuschießen, einen 30er-Schnitt vorgenommen. Die starken Athleten, die schon auf ihrer zweiten Runde waren, schossen da natürlich an mir vorbei, aber nach und nach konnte ich auch Leute einsammeln, an kleinen Anstiegen, auf kurzen Abfahrtspassagen sowie auch in der Ebene. Das motivierte mich unheimlich, ebenso die Duelle, die sich unterwegs ergaben (Gruß an den unbekannten Martin!).

Die Beine fühlten sich gut an, Schultern und Nacken zollten der Aero-Position schließlich etwas Tribut, sodass ich mich häufiger aufrichten musste, als ich es geplant hatte. Den anderen ging es ähnlich. Bei der ersten Halbdistanz und mit nur wenigen Draußen-Kilometern auf dem TT-Bike ärgerten mich diese Begleiterscheinugen aber nicht. 

Überhaupt konnte mich rein gar nichts ärgern. Nicht die teilweise wilden Schlaglöcher und auch nicht die eher dünne Publikumsresonanz, sobald man den Kernbereich verließ. Ich war im Flow und einige wenige Zuschauer und Streckenposten gaben immerhin ihr Bestes. Bei zu viel Geschrei hätte ich niemals verstanden, dass ich angeblich “die schönsten Schenkel der Welt” habe. Eine dreiste Lüge, die aber das Grinsen vom Schwimmen wieder zurückbrachte. 

Mein Rad-Split endete nach 2:57 Stunden, den 30er-Schnitt hatte ich somit locker halten können und als ich den Esel wieder an seinen Platz auf der Stange quetschte, fragte ich mich plötzlich, wo die Zeit geblieben war. Ich hatte mich doch gerade hier noch in den Neo gepult.

Routinier Tom kennt dieses Gefühl noch intensiver von seinen Langdistanzen. In Duisburg stieg er nach 2:40:50 Stunden vom Rad. Dabei rollte er ziemlich gleichmäßig, aber auch nicht am Limit, da er sich nicht sicher war, ob die Luft auch noch auf der abschließenden Laufstrecke reichen würde. Trotzdem war er gegenüber dem Vorjahr, als er bei der Premiere in Duisburg startete, mittlerweile 4 Minuten schneller unterwegs. Alle Sorgen waren aber unberechtigt, denn auch auf der Laufstrecke, welche aus drei weitläufigen Runden um den Regattasee bestand, konnte er seine Vorjahreszeit unterbieten, und lief glücklich und zufrieden ins Ziel im MSV-Stadion.

Tom auf dem Rad

Ab in die Laufschuhe

Jetzt also noch ein Halbmarathon. Die ersten Schritte fühlten sich federleicht an, weil mir bewusst wurde, dass ich das Finish im Sack hatte. Ich entschied mich dafür, den Lauf zu genießen, Eindrücke mitzunehmen, die Vereinskollegen am Rand freundlich zu grüßen, mir an den Verpflegungsstellen Zeit zu nehmen, statt anzuschieben. Die flache Strecke rund um die Regattabahn hatte sogar einige schattige Passagen, die Sonne schien, aber brannte nicht, die Stimmung war gut. Aus der Ferne konnte man die ganze Zeit die euphorische Begrüßung der Finisher im MSV-Stadion hören.

Die Arena allerdings zum zweiten Mal zu durchlaufen und auf die letzte Runde zu gehen, während andere Athleten erleichtert jubelnd rechts zur Ziellinie abbogen, war mental nicht einfach.

Das war dann auch der Moment, an dem ich das erste Mal auf die Uhr drückte, um einen Eindruck von meiner Gesamtzeit zu bekommen. 5:13 Stunden las ich vom Display ab und plötzlich war nix mehr mit entspanntem Läufchen. Im Kopf begann die Rechnerei, was ich mir für einen Schnitt auf der letzten Schleife erlauben dürfte, um unter sechs Stunden reinzukommen. Kein Weltrekord und eigentlich auch egal, aber niemand will eine 01 lesen, wo auch eine 59 stehen könnte.

Das korrekte Kalkulieren scheiterte aber am mittlerweile weichgekochten Hirn und an der Tatsache, dass meine Uhr ursprünglich 200 Meter Rückstand auf die offiziellen Kilometer-Markierungen gehabt hatte, aber der letzte Kilometer der Strecke eher 1,3 waren. Zu viele Unbekannte für das fortgeschrittene Stadium, ich wusste nur, dass ich mich irgendwie ranhalten musste. Einzig die Gesamtzeit auf der Uhr war maßgeblich und sie war jedes Mal fünf Minuten weitergetickt, wenn ich nach 30 Sekunden draufschaute.

Felix auf der letzten Runde

Zielsprint mit Tunnelblick

Das Stadion war noch kaum in Sichtweite, da meldete die Uhr genauso freudig wie falsch das Erreichen der Halbmarathon-Marke. Also Sprint ansetzen. Hinter mir lautes Fluchen, da hatte sich wohl jemand unbemerkt von mir ziehen lassen.

400 Meter lang Laktat, EB-Intervall wie sonst mit Olli. Dann: Teppich, Zielbogen, 5:57:54 Stunden. Der Moderator versuchte offenbar, mit mir abzuklatschen, aber ich ließ ihn unhöflich stehen. Erst auf den Fotos später habe ich gesehen, dass Cheerleader am Ziel Spalier standen. War ich wohl etwas fokussiert.

Zu diesem Zeitpunkt ließ Tom sich schon das x-te Regenerationsgetränk schmecken. Er war als 48. seiner Altersklasse und Gesamt-849. nach 5:15:18 Stunden ins Ziel gekommen.

Für die Statistiker hier noch die Zahlen, Daten und Fakten der Welperaner Sportler:

SchwimmenRadfahrenLaufenGesamtPl. ges.Pl. AK
1,9 km90 km21,2 km70,3 Meilen
Felix Ehlert41:47 min2:57:15 h2:08:46 h5:57:54 h1606211
Thomas Wagner33:11 min2:40:50 h1:52:07 h5:15:18 h88048

Auch neben der Strecke Welperaner aktiv

Neben den Teilnehmern Felix und Tom waren auch in diesem Jahr wieder Antje Bienewitz und Bernd Löhken als Kampfrichter vor Ort im Einsatz. In Duisburg sorgten die beiden Welperaner in der Wechselzone und auf dem Motorrad während des Radfahrens für die Einhaltung der Regeln im Auftrag des NRWTV.

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