Ein Fußball-Derby für die Geschichtsbücher

Welper gewinnt das wohl verrückteste und spannendste Derby der vergangenen Jahre mit 5:4. TuS Hattingen führt bis zur Halbzeit mit 3:0, dann drehen die Grün-Weißen auf.

WAZ, Sport in Hattingen und Sprockhövel
4. Dezember 2017, Julian Resch

Die SG Welper hat das Derby gegen den TuS Hattingen turbulent mit 5:4 gewonnen. Hier ist der Spielbericht, dargestellt in Minuten:

1.: Ganz entspannte Begrüßung. Die beiden Spielführer Nikolai Nehlson (SG Welper) und Nils Güntner (TuS Hattingen) treffen sich zur Seitenwahl. Schiedsrichter Luca Verletis weiß da noch nicht, wie viel Arbeit auf ihn zukommen wird. Den besseren Start ins Spiel erwischen dann die Hattinger, die aggressiver zur Sache gehen und den Welperanern nur dort den Ball lassen, wo es für sie ungefährlich ist. Und auch die erste Torchance gehört dem TuS. Sertac Dogan schießt knapp daneben.

Der Torreigen nimmt seinen Laufen

10. : Die verdiente Führung. Der TuS lässt dem besseren Start das erste Tor folgen. Kapitän Nils Güntner und sein Team bejubeln das 1:0. Zuvor war der Hattinger Spielführer seinen Bewachern im Zentrum entwischt und lief alleine auf Welpers Torhüter Meikel Wagner zu. Güntner blieb ganz cool und überlupfte den herauseilenden Torhüter. Auch nach dem 1:0 bleibt der TuS am Drücker, Welper hat dem Spielstil der Gäste nur wenig entgegenzusetzen. „Wir haben Angsthasenfußball gespielt“, sagte Welpers Trainer Thorsten Kastner zur ersten Hälfte seiner Welperaner. Mehr Ballbesitz haben die Grün-Weißen schon, aber Chancen bleiben in der ersten Hälfte Mangelware. Nur wenn Sidney Rast über die rechte Seite Tempo aufnimmt, passiert offensiv überhaupt etwas. Der TuS Hattingen hingegen überzeugt immer wieder mit schnellem Umschaltspiel. 

Am Ball ist der Ex-Welperaner Florentin Cheuffa, Tolga Dilek begleitet ihn. Fotos: Tobias Hoffmann

18.: TuS in den Zweikämpfen einfach bissiger. Duelle wie in dieser Szene zwischen den Hattingern Cedric Calvin Petz und Chamberlin Kouatche und Welpers Marc Duic gibt es in der ersten Halbzeit häufig. Meist behalten die Rot-Weißen in diesen Zweikämpfen die Oberhand, egal ob in der Luft oder auf dem mit Schnee bedeckten Boden. Die Elf von Seung-Man Hong bringt in der ersten Hälfte einfach die bessere Einstellung mit.

Nils Güntner ist zunächst nicht zu stoppen

30.: Nils Güntner nicht zu stoppen. Der schnelle Angreifer nutzt einen haarsträubenden Fehler in der Welperaner Hintermannschaft aus, als weder der SGW-Keeper Meikel Wagner noch sein Mitspieler richtig zum Ball gehen. Güntner umspielt dann den zögerlich agierenden Wagner und läuft anschließend mutterseelenallein auf das verwaiste Tor zu. Aus gut fünf Metern schiebt der Hattinger Kapitän die Kugel zum 2:0 über die Linie.

35.: Jeder Schuss ein Treffer. Sertac Dogan setzt nach seinem Tor zum 3:0 zum Jubellauf an. Alles läuft für den TuS. Welper vertändelt viele Bälle, setzt nicht richtig nach, und die Rot-Weißen nutzen das gnadenlos aus. So auch beim verdienten dritten Treffer.

48.: Der Auftakt zur Aufholjagd. Said Benkarit holt nach seinem sicher verwandelten Elfmeter den Ball aus dem Netz, um schnell weiterspielen zu können. Dem TuS tut dieser Treffer zu diesem frühen Zeitpunkt des Spiels so richtig weh. „Nach dem 1:3 waren wir wie gelähmt“, sagte TuS-Trainer Seung-Man Hong. „Auf einmal wurden wir nervös und haben nichts mehr hinbekommen.“ Dem Strafstoß ging ein Foul von Tom Hofmann an Welpers Tolga Dilek voraus.

Welper schafft den Ausgleich

68.: Und plötzlich steht es 3:3. Welpers Geschäftsführer Dino Carrafiello kann es kaum glauben. Erst trifft Tolga Dilek per Strafstoß zum 2:3, und dann ist Said Benkarit zur Stelle und schiebt zum Ausgleich ein.

Said Benkarit überwindet TuS-Torwart Niklas Walter.

73.: Der Wahnsinn geht weiter. Die Welperaner, die zur Pause eigentlich abgeschlagen mit 0:3 hinten lagen, führen auf einmal mit 4:3. Das Kastner-Team, dass ja so gar nichts mehr zu verlieren hatte, hat das Spiel auf sensationelle Weise gedreht. Damit hatten wohl nur noch die allerwenigsten Zuschauer gerechnet. Kapitän Nehlson erzielte den Treffer in Torjäger-Manier. Er bekam die Kugel im Strafraum zugespielt, guckte dann den Hattinger Keeper aus und versenkte den Ball eiskalt im Netz.

88.: Gegen den Trend. Alles spricht eigentlich für Welper und dann jubeln zwei Minuten vor dem Ende wieder die Rot-Weißen. TuS-Spieler Cedric Petz stellt die zweite Halbzeit für ganz kurze Zeit auf den Kopf. Nach einer Flanke von Moritz Zöllner von der rechten Seite landet der Ball bei Petz – und der lässt sich nicht zwei Mal bitten.

Fabelhaftes Ende durch Marvin Grumann

90.: Marvin Grumann sorgt für die Entscheidung. Den Schlusspunkt dieses völlig verrückten Derbys setzt die SG Welper. Als sich beide Teams fast schon auf die Punkteteilung eingestellt haben, schlägt Marvin Grumann einen Freistoß aus 30 Metern Richtung Tor. Weder einer seiner Mitspieler, noch ein Hattinger kommen an die Kugel heran – und der Ball schlägt neben dem verdutzten TuS-Torwart Niklas Walter ein. „Dieses Tor lag irgendwie noch in der Luft“, sagte Welpers Trainer Thorsten Kastner. „Ich war mir auch nach dem 4:4 noch sicher, dass wir dieses Spiel gewinnen werden. Ein Remis wäre aber auch ein gerechtes Ergebnis gewesen. Aber so ist für uns natürlich deutlich schöner.“

Tore: 0:1 Nils Güntner (10.), 0:2 Nils Günter (30.), 0:3 Sertac Dogan (35.), 1:3 Said Benkarit (FE, 47.), 2:3 Tolga Dilek (FE, 55.), 3:3 Said Benkarit (68.), 4:3 Nikolai Nehlson (73.), 4:4 Cedric Calvin Petz (88.), 5:4 Marvin Grumann (90.).
SG Welper: Wagner, Heinzer (46. Grumann), Berg-heim, Dilek, Nehlson, Rast, Wirt, Durek (46. Baum), Benkarit (90.+1 Dalgic), Pemöller, Duic.
TuS Hattingen: Walter, Hofmann, Herschbach, Güntner, Kouatche, J. Geik, Petz, Höhmann (56. Zöllner), Sauret-Kranz (76. Wasser-loos), Dogan, Cheuffa.

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