Der Mann mit den zwei Fußball-Herzen

WAZ, Sport in Hattingen und Sprockhövel
8. Juli, Hendrik Steimann

Am 8. Juli vor 24 Jahren besiegte Deutschland Argentinien im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft mit 1:0. Auch im Welperaner Bistro an der Thingstraße feierten die Fans den dritten WM-Titel. Einer von ihnen war Dino Carrafiello, heutiger Fußball-Geschäftsführer der SG Welper.

Serie: WM-Zeitzeugen

Carrafiello hat italienische Wurzeln, besitzt aber seit dem 16. Lebensjahr die deutsche Staatsangehörigkeit. Sein Herz schlägt heute für beide Nationen. Das internationale Turnier 1990 war auch insofern für ihn etwas Besonderes, weil es in Italien ausgetragen wurde. „Im eigenen Land hatte Italien gute Chancen. Holland und Argentinien waren zur damaligen Zeit auch sehr stark. Und England zählte noch zum Favoritenkreis“, erzählt Carrafiello. Die deutsche Nationalmannschaft musste also mit einigen schweren Gegnern rechnen. Gegen die sie dann auch alle im späteren Turnierverlauf antreten musste.

Im Achtelfinale besiegte Deutschland Holland 2:1. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie Frank Rijkaard und Rudi Völler vom Platz gestellt wurden, weil Völler vom Holländer angespuckt worden ist“, so Carrafiello. Die berühmte Spuck-Attacke stoppte die DFB-Elf aber nicht. Im Halbfinale entschied sie dann das Elfmeterschießen gegen England mit 4:3 für sich, so dass im Finale Titelverteidiger Argentinien wartete. Den entscheidenden Elfmeter nach 83 Minuten verwandelte Andreas Brehme. Kapitän Lothar Matthäus trat nicht an. Sein Schuh soll kaputt gewesen sein, so die spätere Erklärung. „Es traute sich ja keiner so richtig, und Brehme konnte mit beiden Füßen gut schießen“, erinnert sich Carrafiello, der selbst früher bei der SG Welper im Mittelfeld unterwegs war. Nach dem Abpfiff freute er sich mit den Kollegen. Sie schwenkten Deutschland-Fahnen und feierten in den deutschen Trikots. „Wenn man sieht, wenn Deutschland alles geschlagen hat, ist es erstaunlich. Das hat mich sehr gefreut“, meint er.

Bei den Auftritten der italienischen Nationalelf fieberte Carrafiello dann im blauen Trikot mit. „Je nachdem, wer von Deutschland oder Italien gespielt hat, so habe ich beiden Teams die Daumen gedrückt. Als Italien im Halbfinale verlor, wurde ich natürlich gehänselt.“ Seiner Meinung nach spielten die Deutschen den schöneren Fußball. „Im ersten Spiel gegen Jugoslawien habe ich noch genau vor Augen, wie Lothar Matthäus zweimal durch das gesamte Mittelfeld gestampft ist und dann die Tore geschossen hat“, erinnert er sich. Italien hat oft knapp gewonnen. „Verteidigen konnten sie schon immer gut“, so Carrafiello.

1990 sei es eine WM der Superstars gewesen, meint der SGler. „Wer da alles mitgespielt hat: Ruud Gullit für Holland, Diego Maradona für Argentinien, die verrückten Carlos Valderrama und René Higuita für Kolumbien“, sagt Carrafiello. Auch Kamerun überzeugte als Außenseiter mit Sturmtank Roger Milla. Und Italien, das im „kleinen Finale“ gegen England 2:1 gewann, brachte mit Salvatore Schillaci den mit sechs Treffern erfolgreichsten WM-Torschützen hervor. Für Carrafiello also ein doppelter Grund, sich zu freuen.

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