Berthold Janzen radelt 312 Kilometer über die Berge Mallorcas

Unser drahtiger Triathlet hat auf der balearischen Insel eine wahnsinnige Anstrengung auf sich genommen. Dabei erlebte er einige Überraschungen.

Ein Ironman ist schon ne harte Nummer. Sowas kennt unser Triathlet Berthold Janzen bereits. Ein paar Mal schon hat der stellvertretende Abteilungsleiter dabei körperliche Höchstleistungen erbracht. Aber das reicht ihm offensichtlich noch nicht. Sein Körper schafft noch mehr, noch längere Distanzen. Bei einem achttägigen Aufenthalt auf der balearischen Insel Mallorca lag er nicht etwa am Ballermann in der Sonne. Nein, im Gepäck waren statt Sonnenmilch und Badeshots sein Rad und die grün-weiße Wettkampfkleidung – für den Mallorca 312, ein Radrennen quer durch die Berge.

Berthold Janzen beim Rennen auf Mallorca.

More than a Gran Fondo. So lautet der Zusatz zum größten und beliebtesten Radrennen des Jahres. 8000 Startplätze gibt es. Binnen kurzer Zeit waren sie vergriffen. Die Teilnehmer haben dabei die Wahl zwischen den Distanzen über 167 Kilometern (mit 2.475 Höhenmetern), 225 Kilometern (3.973 Höhenmeter) und 312 KM (5.050 Höhenmeter). Unser drahtiger Starter hat direkt mal in die Vollen getreten, als er losradelte. Der Wettkampf bildete den Abschluss seines Trainingslagers. „Das stand ganz im Zeichen des Radfahrens“, sagte Janzen.

Sehenswerte Strecke und starke Anstiege

Die Strecke hat den Teilnehmern einiges zu bieten: Start und Ziel ist in Playa de Muro. Nach dem Start geht’s entlang der Serra de Tramuntana (Unesco-Weltkultur-Erbe) und weiter durch Landschaften im Innern der Insel. Dabei erwarten die Teilnehmer (abhängig von der Wahl ihrer Strecke) bis zu zehn knackige Anstiege, darunter den Puig Major, der mit 1445 Meter der höchste Berg auf der liebsten Insel der Deutschen in Spanien ist. Solche Herausforderungen kannte Janzen noch nicht und so eine lange Strecke fuhr er auch noch nie.

„Ich wusste im Vorfeld nicht, was mich wirklich erwartet. Meine bisher längsten Touren auf dem Rad, im Rahmen der Vorbereitung auf eine Triathlon-Langdistanz, gingen bis maximal 220 Kilometer“, erzählt Janzen. Für diese Distanzen brauchen auch erfahrene Triathleten viel Zeit. Es geht in der Regel früh morgens los. So wie auf Malle: Kurs nach dem Sonnenaufgang fiel der Startschuss, um sieben Uhr.

Der Erfahrungsbericht unseres Triathleten

Wie er den Fahrrad-Marathon erlebt hat, beschreibt unser Triathlet in einem kleinen Bericht:

„Tausende Radfahrer setzten sich in Bewegung, wobei manche gleich auf den ersten Metern soviel Druck machten, als würde es sich um einen Sprint und nicht um einen Marathon handeln. Ich hielt mich dabei bewusst zurück und wollte langsam auf Temperatur kommen. Bei Kilometer 33 wartete dann der erste Berg, der viele der ‚Heißkisten‘ wieder auf den Boden der Tatsachen holte. Wie sich hier auch sofort herausstellte, hatte ich gute Beine und erklomm diesen und auch die nächsten Berge recht zügig ohne große Probleme.

Kurz nach der zweiten Verpflegungsstation bei Kilometer 93 mussten sich die Athleten entscheiden, ob sie die Gabelung Richtung 167 Kilometer oder Richtung 225/312 Kilometer nehmen. Für die meisten Radler fiel die Wahl auf die kurze Strecke, ich nahm den anderen Abzweig. Hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch das Gefühl, dass alles im grünen Bereich sei, sollte sich dies schneller als erwartet ändern. Knackpunkt war in dem Fall der dritte Verpflegungspunkt. Dieser kam für mich ziemlich überraschend auf einem abschüssigen Teil der Strecke. Ca. 200 Meter vor diesem Punkt zeigte ein Hinweisschild lediglich auf ‚Slow Lane‘ und ‚Fast Lane‘. Ich entschied mich intuitiv für die schnelle Variante, die dann leider unwiderruflich am Verpflegungspunkt vorbeiführte (es sei denn, man wollte dann gegen den Strom den Anstieg wieder hochfahren).

Mit trockenem Mund zur ersehnten Verpflegungsstelle

Auf der Strecke musste er taktieren, hatte aber sehr viel Spaß.

Ohne Nachbetankung ging es weiter und beim Check der vorhandenen Trinkreserven stellte sich heraus, das gerade noch eine Flasche zu 3/4 gefüllt war. Normalerweise nicht so ein großes Problem, doch es standen noch einige Anstiege an und die Sonne zeigte sich am höchsten Punkt. Die Kilometer bis zur nächsten Station wollten nicht vergehen und mit recht trockenem Mund erreichte ich die Oase bei Kilometer 193. Abgestiegen vom Rad führte der Weg direkt zum Stand mit dem braunen Zuckergetränk, das selten so gut geschmeckt hat und meine Lebensgeister zurückholte.

Vollgetankt und mit reichlich Essen und Trinken bewaffnet ging es weiter. Wenig später wurde man wieder vor die Wahl gestellt: 225 oder 312 Kilometer. Wieder entschied sich die Mehrheit der verbliebenen Teilnehmer für die kürzere Strecke. Noch immer im Zuckerrausch, setzte ich meinen Plan in die Tat um und ging auf die volle Distanz. Man hatte mittlerweile die Berge hinter sich gelassen, doch auch im etwas flacheren Teil der Strecke hatte man mit Anstiegen und auch teilweise Wind zu kämpfen. Zwischen Kilometer 250 und 280 schien die Zeit stehen zu bleiben. Man tritt in die Pedale, doch irgendwie kommt man nicht richtig weiter und hat das Gefühl, dass das Rennen nie ein Ende nimmt. So kam es mir zumindest vor.

Party mit den Teilnehmern auf der Strecke und reichlich Bier

Der letzte Verpflegungspunkt in Arta schien irreal. Statt einer normalen Station war hier Party angesagt. Aus den Lautsprechern kam laute Musik, viele Zuschauer feierten mit den Teilnehmern und statt Wasser wurde Bier gereicht (nicht alkoholfrei!). Da von Arta zum Ziel noch ca. 30 Kilometer zu fahren waren, entschied ich mich gegen die Verlockungen und fand einen Stand mit alkoholfreien Getränken, an dem ich mich dann bediente. Auf den letzten Kilometern beflügelte das Gefühl, dass man es nun fast schon durch ist und eigentlich nicht mehr viel passieren kann. So war es dann auch und nach knapp 12:40 Stunden erreichte ich kurz vor Sonnenuntergang, aber deutlich innerhalb des Zeitlimits von 14 Stunden glücklich das Ziel.

Mein Fazit vom Rennen: Einmalig! Eine abwechslungsreiche Strecke, grandiose Landschaften mit Blick auf das Meer, eine tolle Organisation und eine erstklassige Stimmung… und natürlich eine echte Herausforderung!“

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