Als die Welperaner Trauer trugen

WAZ, Sport in Hattingen und Sprockhövel
23. August 2013, Sebastian Schneider

SERIE: Spiele, die man nie vergisst

Nein, es war sicherlich kein Spiel für Fußball-Feinschmecker – trotzdem hatte das Bezirksliga-Derby am 16. Mai 2010 richtungsweisende Bedeutung für den TuS Hattingen und die SG Welper. Das Team vom Wildhagen sicherte sich am Ende durch einen 1:0-Sieg den Klassenerhalt, die Mannschaft von der Marxstraße musste eine Woche später den bitteren Gang in die Kreisliga A antreten.

„Die Bedeutung des Spiels war schon besonders“, erinnert sich Hattingens Fußball-Abteilungsleiter Günter Ecker. Denn natürlich wollte keiner absteigen, vor allem aber sei es sehr schwierig, aus der Kreisliga A wieder hoch zu kommen – zu beobachten ist das unter anderem an Welper, das seitdem jedes Jahr vorne mitspielt, den entscheidenden Schritt zurück in die Bezirksliga aber bis heute nicht geschafft hat.

Beide Mannschaften sehr nervös

Damals, an der Marxstraße, war beiden Mannschaften die Anspannung anzumerken. Die Spielertrainer nahmen sich quasi gegenseitig aus dem Spiel. Nicht persönlich, aber sie setzen je einen Bewacher auf den Gegenüber an. So beschäftigte sich Jeffrey Cybart mit Hattingens Marius Kundrotas, während Kevin Busch Welpers Andy Steinmann verfolgte. „Daran kann ich mich noch gut erinnern“, sagt Steinmann heute. „Er ist mir quasi bis auf die Toilette gefolgt.“ Diese Maßnahmen wirkten sich nicht unbedingt positiv auf die Qualität des Spieles aus.

Ende der ersten Halbzeit dann doch die erste Großchance: Andy Steinmann setzte einen Schuss an die Latte des Hattinger Tores. Besonders bitter für Welper: Den letztlich entscheidenden Treffer erzielte zwar ein SG-Spieler, der bis dahin auch eine richtig starke Partie abgeliefert hatte – nur leider beförderte er die Kugel ins „falsche“ Tor. Nach 55 Minuten unterlief Kai Kwiatkowski ein Eigentor, das die Partie entscheiden sollte.

Drei ältere Herren Arm in Arm

Nach 90 Minuten jubelte also auf der einen Seite der TuS Hattingen, während die Welperaner mit hängenden Köpfen in die Kabinen trotteten. „Es gab da drei ältere Herren, die Arm in Arm über den Platz liefen, und da war auch die eine oder andere Freudenträne dabei“, sagt Günter Ecker, der selbst zu diesen älteren Herren gehörte und damals mit Co-Trainer Martin Schumillas und Geschäftsführer Frank Möller seinen Gefühlen freien Lauf ließ. „Ich weiß noch, dass die TuSler sich freuten. Aber auch, dass sie ankamen und sagten, dass es ihnen leid tue“, erinnert sich Andy Steinmann. Denn am liebsten hätten es die meisten wohl gehabt, wenn beide Hattinger Mannschaften die Klasse gehalten hätten.

Und so war es auch für den TuS Hattingen nicht ausschließlich ein Tag der Freude. „Es tat uns wirklich leid. Wir hätten lieber gegen andere gewonnen“, sagt Günter Ecker im Rückblick. „Trotzdem war es für uns natürlich herausragend, weil wir wussten, wir sind durch diesen Sieg gerettet.“

Für die SG Welper kam es dagegen am Ende ganz schlimm: Zwei Wochen nach der Derby-Niederlage – über Pfingsten wurde pausiert – besiegelte eine 1:3-Niederlage beim TuS Wengern den Abstieg endgültig. Der Knackpunkt war aber wohl eher die Pleite gegen den TuS. „Das wäre das leichtere Spiel gewesen“, sagt Andy Steinmann. „Aber wir haben da nicht unser bestes Spiel gemacht und uns sehr schwer getan – auch ich.“

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