24h MTB Staffel in Duisburg

8er Team Ruhrtalexpress 2
v.l.n.r.: Antje Bienewitz, Steffi Moch, Jürgen Freitag, Claudia Fröhlich, Steffi Fabian, Bernd Löhken, Ralf Klein, Ralf Steenmann

Schon seit Jahren finden sich Hattinger zusammen um auf dem legendären Duisburger 24h Mountainbike-Rennen entweder um die vorderen Plätze mitzufahren oder um nichts anderes zu machen als 24h einfach nur am Rad zu drehen und Spaß zu haben. Unter dem Teamnamen Ruhrtalexpress 2 traten acht ehemalige und aktive Läufer, Schwimmer und Triathleten aus Hattingen an, um einmal das Wettkampf-Feeling auf einem Mountainbike-Rennen live zu erleben. Vier Frauen und vier Männer gehörten zum Team. Das Bemerkenswerte an dem Team, es hatte schon vor dem Start einen inoffiziellen zweiten Platz im Altersklassement erreicht. Gesamtalter über 400 Jahre. Aber hier stand nicht das „Weiß Du noch damals“ oder „Früher …“ auf dem Programm, sondern das Hier und Jetzt. „Niemand soll auf die Idee kommen im Fahrerlager einen Stapel Rheumadecken vorzufinden“, so die älteste Fahrerin vom Team.

Das Fahrerlager, eine vom Team improvisierte Zusammenstellung aus Zelten, Biergartengarnituren und Ruhestühlen, für 24h im Landschaftspark aufgebaut, ausgestattet mit Kochecke und Kühlschrank, aber auch Elektronik um live über das Internet das Renngeschehen zu beobachten.

Insgesamt hatten sich über 390 Teams auf dem Gebiet des ehemaligen Stahlwerks eingerichtet, davon fast 90 8-ter Teams. Ca. 2000 Mountainbiker aus Deutschland, Schweiz, Österreich, Belgien, Niederlande, sogar aus Schweden waren nach Duisburg angereist, um auf einem 8 km langen Rundkurs unter Hochöfen, durch Kohle- und Erzbunker und über die Schienenanlagen des Stahlwerks zu fahren. Nicht immer ganz ungefährlich wenn Rampen, glitschige Abfahrten oder scharfe Kurven zu durchqueren waren. Höchster Punkt der Runde ist der Monte Schlacko mit gut 40 Höhenmetern. Auf den ersten Blick wenig, doch wenn er 63 mal überquert wird kommen auch 2500 Höhenmeter zusammen, die an den Kräften zehren.

Die Wetterbedingungen waren optimal, obwohl es beim Aufbau der Zelte am Freitag fürchterlich regnete, freute sich jeder, denn das bedeutete in den nächsten zwei Tagen weniger Staub schlucken zu müssen. Am Samstag hielt sich die Sonne hinter den Wolken und die Temperaturen in Grenzen, was den Teams entgegenkam, so dass die Renntaktik nicht durch das Wetter beeinflusst wurde.

Jedes Team darf zeitgleich einen Fahrer auf die Strecke schicken. Gewonnen hat das Team, das nach 24h die meisten Runden absolviert hat. Für die Mixed-Teams galt es zusätzlich die geforderte Frauenquote von 37% zu erfüllen, also die Mädels durften nicht nur repräsentieren, sondern mussten mit ran. Das Team Ruhrtalexpress 2 entschied sich während der hellen Tageszeiten jeweils eine Runde pro Fahrer zu fahren und dann zu wechseln. Eine Runde, dass bedeutete 20-25min den Kreislauf auf volle Touren zu bringen, denn allein Monte Schlacko, der gleich zu Beginn einer Runde wartete, reichte aus um den Schweiß zum Laufen zu bringen.

Während der Nachtstunden wurde natürlich weitergefahren, dann allerdings zwei Runden pro Fahrer am Stück, um den anderen eine etwas längere Ruhezeit zu geben. Trotzdem die Zeit zwischen 3:00 Uhr und 6:00 Uhr mogens war eine mentale Härteprüfung. Die Dunkelheit, Müdigkeit, der Staub auf der Strecke und die kalte feuchte Luft, keine Bedingungen für ungetrübte Urlaubsstimmung.
Spaß haben stand aber im Vordergrund und kesse Sprüche fielen dann doch noch im Morgengrauen um die Stimmung zu halten. Fahrerin Steffi anwortete auf die Frage inwieweit sich die fehlenden Fahrpraxis bemerkbar macht mit, „Die andere können ja, aber wir wollen und nicht was du kannst ist wichtig, sondern das was du willst“. Im Gesamtklassement finishte das Team auf einem Platz im Mittelfeld, in der Mixed-Wertung nicht ganz so gut, wobei auf den letzten Runden die Sache nochmal hektisch wurde. Jürgen kämpfte mit technischen Defekten an der Schaltung und kam ölverschmiert zum Lager zurück, Steffi bekam kurz vor dem Wechsel einen Reifendefekt. Eine Reparatur kam nicht mehr in Frage, zu kurz die Zeit. Kurzerhand musste ein anderes Rad umgebaut werden um kurz vor Ende der 24h noch einmal über die Startlinie zu kommen und somit eine Extrarunde zu ergattern, entscheidend um sich von einem konkurrierenden Team abzusetzen.

Ob 24h ohne richtigen Schlaf, Vollgas geben, Ausruhen, Schwitzen, Frieren und Staub überall, das Richtige ist um Spaß zu haben? Das Team: Ralf, Jürgen, Antje, Bernd, Claudia, Steffi, Ralf und Stefanie meinen ganz klar „Ja, muss man mitmachen“.

Ralf Klein in voller Fahrt

Und hier noch der Erlebnisbericht von Jürgen Freitag, der zum ersten Mal in Duisburg dabei war:

Wenn Fahrrad und Fahrer zusammen 85 sind, so ist das am Monte Schlacko zweifellos rekordverdächtig, die gefahrenen Zeiten des Seniorengespanns eher weniger. Aber der Reihe nach. Als Extremspätstarter in der Triathlonabteilung der SG Welper bin ich irgendwie über Hawaii-Häuptling Roger in das 8er mixed Team gerutscht. 4 Frauen, Antje, Steffi Moch, Claudia und Steffi Fabian und 4 Männer, Ralf, Bernd, Jürgen und noch ein Ralf, wobei der vorletzt genannte der Erzählende ist. Erwähnt sei hier natürlich auch das bärenstarke Viererteam „Ruhrtalexpress 1“ mit Justin, Michael, Roland und Kai allesamt richtig gute Biker.

Ankommen an der aufgehübschten Industriebrache Landschaftspark Duisburg-Nord ist schon mal spannend, zumindest an einem solchen Tag. Ein bisschen Festival, ein bisschen Rummelplatz, Bratwurstbuden sind da, Schießstände vermag ich nicht zu erkennen. Man kann tatsächlich, wenn man sich vorher den von Teamleiter Ralf Klein verschickten Parkausweis ausgedruckt hat, aufs Gelände zur zugewiesenen Parzelle fahren. Gesehen habe ich die Teammitglieder alle schon mal, bei der Vorbesprechung oder beim Swim&Run. Gruppensoziologisch gesehen hält sich das erwartbare Fremdeln der alteingesessenen in Grenzen, mit denen ich umgehen kann. Eine Proberunde steht noch an, bei der sich schon jemand an der seltsamen Metallrampe erst in die stabile Seitenlage und dann ins Hospital verabschiedet, woraufhin das Ding gleich wieder abgebaut wird, natürlich nicht ohne das Murren hartgesottener Cowboys, denen das alles viel zu einfach ist.

Dann geht‘s auch schon los, Ruhrtalexpress 2, Ralf, Bernd und Antje zuerst, ich schließlich als 7., bin aufgeregt wie n kleiner Junge und muss laufend aufs Dixi, wo zum Glück schon vor mir jemand seine Metabolismusfinalprodukte zum Einweichen abgelegt hat, was die Sache irgendwie leichter macht. Wechselzone noch mal schauen, wie das geht, irgendwann ist es dann soweit und ich fahre wirklich und wahrhaftig beim 24- Stunden-MTB-Rennen in Du mit. Schnell wird mir klar, dass 4 Wochen Training auf einem geliehenen und zu kleinen uralten „Steppenwolf“ – Montainbike – ich habe davor noch nie auf einem gesessen – nicht wirklich ausreichend sind und dass Schotterpisten was anderes sind als zumeist asphaltierte Waldwege. Mein Problem sind gar nicht so sehr die Anstiege, jedenfalls nicht in den ersten Runden, bevor mein eben erst neu eingebauter Umwerfer den richtigen Schaltdienst verweigert, sondern die Abfahrten, da bin ich verglichen mit den meisten hier ein Angsthase und bremse Schwung weg, den andere locker mitnehmen. Ich höre mir unterwegs noch ein paar Sprüche Spätpubertierender bezüglich Beinkleid und Wollsocken an, muss aber an dieser Stelle sagen, dass Mountainbiker insgesamt ausgesprochen faire und rücksichtsvolle Sportler sind, alle kündigen korrekt Überholmanöver an und bremsen auch mal, wenn die Alternative unfallträchtig erscheint.

So geht es Runde um Runde, Ruhrtalexpress 2 ist mehr so Schalke, Platz 14-15 von 18, die gefahrenen Zeiten kann man also gleich aus dem Internet erfahren und sie werden wichtiger, auch mir. Roger kommt, macht Fotos, man scherzt und plaudert, insgesamt ist die Stimmung hier Ruhri-like entspannt und freundlich. Richtig lustig finde ich Ralf S., der super Zeiten fährt und sich zwischendurch so manches Kippchen reinzieht. Alle Achtung.

Dann die Kür, die zwei Runden zur Nacht, mein Rücklicht hab ich schon beim Einfahren verloren, zum Glück hat Teamleader Ralf noch eins, das er mir leiht, auch meine sonstige Beleuchtung ist suboptimal. Die gemeinsame Probe-Nachtfahrt war wegen eines nicht stattgefundenen Gewitters ausgefallen und so hatte ich mir selbst ein Bild von der Wirksamkeit meiner Stirnlampe gemacht, dieselbe für tauglich befunden, um auf der Rappelstrecke festzustellen, dass es meinem System an Stabilität fehlt. Die Ausleuchtung der Strecke hatte ich weit überschätzt und so konnte ich auf meine alten Tage noch mal ein richtiges Blindflug-Abenteuer mitnehmen. Die Truppe hält sich derweil wacker vor dem Relegationsplatz, während die 4er richtig gut sind und uns weit in den Schatten stellen, doppelt so viel fahren müssen. Ein paar Stunden Schlaf unter freiem Himmel, dann nochmals 2, zum Schluss als vorletzter noch eine Runde und Steffi die zweite schließt unseren Auftritt ab.

Alles in allem ne tolle Erfahrung, ich selbst hab wahrscheinlich viel mehr falsch gemacht als mir zunächst auffällt, trotzdem bin ich froh und stolz dabei gewesen zu sein, das werden sich noch die Urenkel an langen Winterabenden am Kaminfeuer anhören müssen. „Ich komm von links“ hallt es noch nächtelang durch meine Träume..

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