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Triathlon wenn der Sommer eine Pause macht – Athleten-Bericht von Thomas Wagner

Auf dem Plan stand die Mitteldistanz in Aldenhoven beim Indeland-Triathlon über 1,9 km Schwimmen, 88 km Radfahren und 20 km Laufen.
Dies sollte für mich der ultimative Härtetest für den etwa doppelt so langen Ironman Hamburg im August werden. Und hart wurde es wirklich. Der Sommer gönnte sich ein kleines Päuschen, und es regnete in Strömen als ich morgens in Aldenhoven ankam. Doch aufgrund des starken Windes trocknete in der Folge die Straße bereits auf dem Weg zum Blausteinsee, in welchem geschwommen werden sollte. Der See liegt etwa 9 km von der 2. Wechselzone und dem Ziel in Aldenhoven entfernt, und fast alle Athleten legen diese Anfahrt auf ihren Wettkampfrädern zurück.
Für das Schwimmen sortierte ich mich aus Erfahrung weit links am Start ein, da der Kurs nur Rechtswenden aufwies, und man etwas außerhalb normalerweise seine Ruhe vor körperlichen Auseinandersetzungen mit den Konkurrenten hat. Sobald der Startschuss fiel, erwies sich das diesmal leider als Fehlkalkulation. Die Meute steuerte nicht den direkten Weg auf die erste Tonne zu, sondern schwamm viel zu weit nach links, in meinen Weg rüber. In der Folge gab es Tritte, Schläge und viel Wasserschlucken, bis sich nach der hintersten Tonne auf dem Rückweg endlich alles auseinander gezogen hatte. Meine Uhr zeigte knapp über 34 min für 1950 m per GPS (statt der 1900 m auf der Ideallinie). Damit war ich nicht zufrieden, aber ließ mich nicht aus der Ruhe bringen, lief die 500 m zu meinem Rad, und ging den härtesten Teil des Tages an.
Der Radkurs war ein großes Viereck, welches 2 Mal gefahren werden musste, und zunächst ging es mit erstaunlichen Zwischenzeiten Richtung Osten und Süden (ein 5 km Intervall lag sogar unter 7 min, was einem Schnitt von knapp 43 km/h entspricht). Zu dieser Zeit schwante mir schon, was auf dem Rückweg mit Gegenwind blühte, und so kam es auch. Böen von Windstärke 8 bliesen entgegen, und man hatte den Eindruck überhaupt nicht mehr vorwärts zu kommen, insbesondere da fast kein Baum auf den flachen Streckenteilen mal ein bisschen Windschatten bot. Extrem war ein schnurgerades Teilstück entlang der Autobahn von ca. 3 km Länge. Hier blies der Wind frontal, und nach einem kleinen Hügel, von dessen Kuppe eine Brücke über die Autobahn führte, dachte ich kurz ich würde jeden Moment rückwärts wieder den Hügel hinaufgeweht, den ich gerade hinter mir gelassen hatte. Extrem waren auch noch die steilen Anstiege im Braunkohle-Tagebau, auf denen der Wind ebenfalls von vorne wütete. Kleine Anekdote: Direkt vor mir sehe ich einen Belgier, der mit Scheibenrad fährt, und in einer Kurve von der Straße geweht wird. Ihm ist aber nichts passiert, und er kann sofort weiterfahren. Insgesamt konnte ich mit einem Schnitt von knapp 33 km/h in die 2. Wechselzone in Aldenhoven rollen. Das war für die Verhältnisse schon OK, hatte aber eine Menge Energie gekostet.
Sobald ich die Laufschuhe an hatte und loslief riss der Himmel auf, und jetzt brannte die Sonne. Damit hatte ich an diesem Tag gar nicht mehr gerechnet, und entsprechend war ich auch nicht eingecremt. Ich hatte kein Problem in einen guten Rhythmus zu kommen, und lief die erste der vier Runden deutlich unter 25 min. Schwer wurde es nur außerhalb der Stadt auf einem Feldweg, wo der Wind ständig den Staub in die Gesichter der Sportler blies. Zu der Zeit konnte ich Iso-Getränke schon nicht mehr ertragen, und entschloss mich bei der nächsten Verpflegung auf Cola umzusteigen. Leider hatte ich mir die Reihenfolge der Ausgabe in der ersten Runde nicht korrekt gemerkt, und so kam es, dass ich sowohl die Cola, wie auch das Iso verpasst hatte, als ich dann reines Wasser am Ende der Verpflegung aufnahm. Dadurch wurde der Energiebedarf nicht ausreichend gedeckt, und auf den drei Kilometern bis zur nächsten Verpflegung geriet ich in ein Tief, und wurde immer langsamer. Dort angekommen hielt ich erstmal an, und schüttete direkt 2 Becher Cola herunter. Kurz danach lief es wieder besser, bis mich ein anderer Teilnehmer darauf aufmerksam machte, dass meine Startnummer vom Wind abgerissen worden war. Also Wende, 50 Meter zurück, Startnummer aufheben, halb unter das Shirt geklemmt und weiter. Immerhin gab es danach keine weiteren Zwischenfälle mehr, und ich steigerte zum Ende hin nochmal mein Tempo und überholte sogar noch einige Konkurrenten. Ein gutes Gefühl nach über 5 Stunden noch etwas zulegen zu können.
In der Endabrechnung erreichte ich einen guten Mittelfeld-Platz unter den knapp 400 Teilnehmern, und kann sehr positiv den Ironman in Hamburg angehen, zumal das einzige was wirklich schmerzte der Sonnenbrand auf meinen Schultern war. Das nächste Mal werde ich auf jeden Fall Sonnenmilch benutzen, egal wie kalt und nass es morgens ist.

Die Zeiten im Einzelnen:
Platz 155 (11. AK50) in 5:08:16 h
Netto:
Schwimmen: 34:08 min
Radfahren: 2:43:40 h
Laufen: 1:42:47 h

Über den Autor

Tom

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