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Jacqueline Herweg schwimmt zu zehn Medaillen in Berlin

Unsere Schwimmerin startet aufgrund einer Skoliose in der Wertung für Menschen mit Behinderungen. Bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften war sie äußerst erfolgreich.

Jacqueline Herweg mit ihrer Bronze-Medaille aus der internationalen Wertung. Fotos: Dominik Vogel

3,5 Kilogramm hangen um den Hals von Jacqueline Herweg, als sie aus Berlin zurückkehrte. Dort trat die Schwimmerin bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften für Menschen mit Behinderungen an. Durch ihre Skoliose startete sie in der AB-Klasse (allgemeine Behinderungen) und räumte gleich zehn Medaillen ab.

Seit Jahren zählt der Wettkampf zu den paralympischen Spitzensportverantstaltungen weltweit. Rund 630 Schwimmer aus 54 Nationen kamen in Berlin zusammen, um sich im Becken zu messen. Viele bereiten sich dabei auf die World Para Swimming Weltmeisterschaften vor, die im Oktober in Mexiko-Stadt stattfinden. Für Herweg ist dies allerdings kein Ziel, da sie in der AB-Klasse nur an Wettkämpfen teilnehmen darf, die innerhalb von Deutschland ausgerichtet werden. „Noch sind Wettkämpfe außerhalb von Deutschland nicht dafür geöffnet. Das könnte sich aber bald ändern“, deutet die Schwimmerin an.

Atmosphäre beflügelt die Schwimmerin

Ihr Fokus lag also auf Berlin. Dort liebt sie die Atmosphäre in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark. „Sie beflügelt mich, ich fühle mich dort im Wasser sehr wohl. Das wollte ich nicht verpassen, obwohl ich erst skeptisch war, ob ich überhaupt nach Berlin fahren soll“, erzählt die Starterin der SG Welper, die gerade mitten in den Vorbereitungen auf ihr Examen zur Gesundheits- und Krankenpflege steckt. Deshalb musste sie ihr Trainingsprogramm mit ihren Lerneinheiten abstimmen. Im Schnitt trainierte Herweg fünfmal pro Woche. Mit Erfolg.

Den größten Coup landete sie in Berlin auf der Strecke über 400-Meter-Lagen innerhalb der internationalen Wertung. Am Ende gewann sie die Bronzemedaille in Saisonbestleistung von 5:54,56 Minuten. „2012 hatte ich ebenfalls Bronze gewonnen. Es war mein Traum, es dieses Jahr wieder zu schaffen und der hat sich nun erfüllt“, freut sich die 22-Jährige. Die Medaille in der internationalen Wertung hat für sie einen hohen Stellenwert. Zumal sie es dabei nicht so einfach hat.

Herweg bei 400-Meter-Freistil auf der Bahn.

Anderes Wertungssystem

Denn: In dieser Wertung schwimmen alle aus der AB-Klasse und der S-Klasse (Schwachpunkt) gemeinsam. Da die körperlichen Einschränkungen in der S-Klasse teilweise stärker sind, bekommen die Schwimmer einen Punktebonus. In einem Wertungssystem werden die Zeiten dann umgerechnet. „Es soll möglichst fair sein, ist es aber teilweise dadurch nicht“, findet Herweg. Sie kam bei den 400-Meter-Lagen zum Beispiel als Zweite ins Ziel, eine Schwimmerin aus der S-Klasse als Dritte. Ihrer Kontrahentin wurden jedoch mehr Punkte zugeschrieben.

Stolz ist unsere Schwimmerin dennoch, auch aufgrund der schwierigen Umstände. In der AB-Klasse holte sie ihre anderen neun Medaillen. Deutsche Meisterin wurde sie jeweils über 200-Meter-Freistil, 200-Meter-Lagen und 50-Meter-Schmetterling.

Die Medaillen und Zeiten im Einzelnen

Gold:

  • 200-Meter-Freistil: 2:26,78 Minuten

    Herweg beim Start (auf Block 7).

  • 200-Meter-Lagen: 2:47,00 Minuten
  • 50-Meter-Schmetterling: 35,49 Sekunden

Silber:

  • 100-Meter-Brust: 1:29,96 Minute
  • 100-Meter-Freistil: 1:06,76 Minute
  • 400-Meter-Freistil: 5:13,01 Minuten

Bronze:

  • 400-Meter-Lagen: 5:54,56 Minuten (internationale Wertung)
  • 50-Meter-Rücken: 36,38 Sekunden
  • 50-Meter-Freistil: 30,73 Sekunden
  • 100-Meter-Rücken: 1:20,43 Minute

Über den Autor

Hendrik Steimann

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